Washington. (wak) "Lock her up". Sperrt sie ein. Das war der Kampfruf, mit dem Donald Trump im vergangenen Wahlkampf die Menge zum Kochen brachte. Drei Silben, immer und immer wiederholt. Trump hat dirigiert.

Sperrt sie ein - gemeint war der klare Gegner, die von den Demokraten nominierte Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Ihr Kapitalverbrechen: Emails über einen privaten Server empfangen zu haben.

Trump war bekanntlich 2016 erfolgreich. Auch, wenn er weniger Stimmen als Clinton auf sich vereinen konnte, so hatte er am Ende mehr Bundesstaaten hinter sich. Darunter die Swing-States Michigan, Pennsylvania und Wisconsin - dort machte die Überzahl der republikanischen Stimmen gerade mal zusammen gerechnet 100.000 Stück aus.

Es wird diesmal vielleicht ein noch engeres Match, denn die Gegnerin Clinton war vorbelastet. Wer auch immer gegen Trump antritt, ist es wahrscheinlich nicht.

Zielscheibe: vier progressive, nicht-weiße Demokratinnen

Also gilt es, die Basis auf Schiene zu bringen. Und, da noch kein Gegner an der Spitze der Demokraten ausgemacht ist, müssen gleich mehrere herhalten. Vier genau genommen. Alles Frauen. Alles keine weißen Angelsachsen.

Alle US-Amerikanerinnen, drei davon sogar in den USA geboren.

Das ist egal. Ein Gegner muss her. Und so sind es sie, die nicht dem Bild des Kernwählers von Trump entsprechen: "Send her back", skandierte die Menge bei einer Veranstaltung von Trump am Mittwoch. Wieder ein eingängiger Kampfruf mit drei Silben. Aber doch deutlich ideologisch gefärbter als der Kampfruf gegen Hillary Clinton: Denn es ging darum, die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar, eine US-Staatsbürgerin, "zurückzuschicken", nämlich in das Land, wo sie geboren ist. Omar ist als Kind mit ihrer Familie aus Somalia in die USA geflüchtet. Eigentlich wäre die Biografie der 37-jährigen Muslimin eine Erfolgsgeschichte. Nun unterstellte ihr Trump antisemitische Botschaften und die Verherrlichung von Al-Kaida. Beides sei unwahr, berichtet CNN. Während die Chöre "Schickt Sie zurück" skandieren, bedient Trump unverhohlen die Klaviatur "Sie gegen uns".

"Sie wollen unsere Verfassung zerstören. Die Werte beseitigen, die dieses wunderbare Land aufgebaut haben", hob Trump mit Blick auf die Oppositionspolitikerinnen vom linken Flügel der Demokraten hervor.

Slogan findet sich nicht durch Zufall in der Menschenmenge

Und auch wenn Trump selbst noch nicht den Kampfruf angestimmt hat, so kommt ein Chor der Menge nicht zufällig zustande. Wahlkampfhelfer von Trump haben wahrscheinlich diesen Ruf lanciert.

Trump hatte vier Demokratinnen - Alexandria Ocasio-Cortez, die puerto-ricanische Abstammung hat, Rashida Tlaib, die Tochter palästinensischer Einwanderer ist, Ayanna Pressley, eine Afroamerikanerin, und Omar in den vergangenen Tagen mehrfach aufgefordert, in ihre vermeintlichen Heimatländer zurückzugehen, wenn es ihnen in den USA nicht gefalle. Die Demokraten warfen ihm Rassismus vor.

Die Szene von Trumps Wahlkampfveranstaltung löste bei vielen Entsetzen aus. Das American Jewish Committee (AJC) schrieb auf Twitter: "Dieser entsetzliche Sprechchor macht Amerika nicht großartig. Er erinnert uns vielmehr auf unheimliche Weise an eine dunkle Zeit in der Geschichte unserer Nation."