Teheran/Washington. (rs) Wie unübersichtlich und brandgefährlich die Lage in der Straße von Hormus derzeit ist, hat nicht zuletzt der Vorfall gezeigt, der sich Ende dieser Woche abgespielt hat. So dauerte es nach der Meldung des Pentagons über den Abschuss einer iranischen Drohne durch das US-Kriegsschiff "USS Boxer" nur wenige Stunden, bis das Dementi aus Teheran einging. Laut Vize-Außenminister Abbas Arakchi will der Iran weder über der strategisch wichtigen Schifffahrtsroute im Persischen Golf noch sonst irgendwo ein unbemanntes Luftfahrzeug verloren haben. Arakchi schloss sogar nicht aus, dass die Amerikaner versehentlich eines der eigenen Fluggeräte ausgeschaltet haben.

Wechselseitige Nadelstiche

Der Drohnen-Vorfall ist allerdings nur der letzte Zwischenfall in einer ganzen Reihe von Ereignissen, bei denen sich die USA und der Iran wechselseitig schwere Provokationen und feindselige Handlungen vorwerfen. So beschuldigt Washington Teheran nicht nur, im Juni eine US-Aufklärungsdrohne im internationalen Luftraum abgeschossen zu haben. Aus Sicht der US-Regierung steckt der Iran auch hinter der Beschädigung und Festsetzung mehrer Öl-Tanker im Persischen Golf. Teheran macht wiederum die USA dafür verantwortlich, dass die britische Marine vor Gibraltar ein iranisches Tankschiff aufgebracht und an die Kette gelegt hat.

Auf wirklich breite Unterstützung der westlichen Verbündeten dürfen die USA, die den Iran nach der einseitigen Aufkündigung des Atomabkommens durch Präsident Donald Trump mit scharfen Wirtschaftsanktionen zu einer Neuverhandlung zwingen wollen, in der derzeitigen Situation allerdings nicht hoffen. Denn die Europäer, die das Atomabkommen trotz der zuletzt wieder aufgenommen iranischen Urananreicherung noch verzweifelt zu retten versuchen, scheuen jeden Schritt, der von Teheran als Konfrontation angesehen werden könnte. So haben die USA bereits vor knapp zwei Wochen vorgeschlagen, den Schutz der Seefahrtswege in der Straße von Hormus, über die eine Fünftel der weltweiten Erdöltransporte abgewickelt werden, zu verstärken. Jedes Land sollte dabei seine Handelsschiffe mit eigenen Kriegsschiffen begleiten, um sicherzustellen, dass der Iran seine schon mehrmals in den Raum gestellte Drohung einer Sperre der nur 50 Kilometer breiten Meerenge nicht umsetzen kann.

Doch bisher hat Washington vor allem Absagen erhalten, etwa aus Frankreich und Großbritannien. Zur Begründung hieß es aus Paris, dass ein solcher Schritt als anti-iranisch wahrgenommen werden würde. Die Regierung in London ließ durchklingen, dass sie nicht über die nötige Kapazität verfüge, für jedes Schiff eine militärische Eskorte zu stellen. "Die USA wollen eine Koalition der Willigen zusammenstellen, die zukünftigen Attacken gegenüber tritt", sagt ein anonym bleiben wollender westlicher Diplomat gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber niemand will sich beteiligen und auf Konfrontationskurs mit dem Iran gehen."

Politische Initiativen stocken

Dass sich bei der Marineinitiative bisher nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate auf die Seite der USA geschlagen haben, ist für die Regierung in Teheran aber bestenfalls ein sehr kleiner Etappensieg. Denn die politischen Verhandlungen über eine Lösung des Atomstreits kommen nach wie vor kaum vom Fleck. So hat die vor kurzem gestartete Initiative des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, in deren Rahmen er am Donnerstag mit seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin telefonierte, bisher keine nennenswerten Fortschritte gebraucht. Ebenso wenig kam es beim New-York-Besuch des iranischen Außenministers Jawad Zarif in dieser Woche zu der erhofften Annäherung.