Hongkong. Bei Protesten gegen die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong hat die Polizei am Sonntag Tränengas gegen die Demonstranten eingesetzt. Einsatzkräfte mit Schutzmasken und Schilden drängten die Demonstranten am Sonntagabend (Ortszeit) zurück. Außerdem feuerte die Polizei mehrere Salven Tränengas in Richtung der Demonstranten ab.

An den Protesten gegen die pro-chinesische Regierungschefin Carrie Lam beteiligten sich zehntausende Menschen. Zuvor waren am Samstag mehr als 100.000 Menschen aus Solidarität mit der umstrittenen Regierung und der Polizei auf die Straße gegangen.

Waffenlager gefunden

Vor der Demonstration hat der Fund eines Waffenlagers die Nervosität in der chinesischen Sonderverwaltungsregion steigen lassen. Nachdem die Polizei zwei Kilogramm Sprengstoff, Brandsätze, Säure, Messer und Metallstangen in einem Lagerraum einer Unabhängigkeitsgruppe gefunden hatte, sind nach Presseberichten drei Personen festgenommen worden.

Außer einem 27-Jährigen setzte die Polizei am Samstagabend zwei 25-Jährige fest. Die Ermittler untersuchen nach eigenen Angaben, ob ein Zusammenhang mit den geplanten Protesten besteht.

National Front will nichts vom Sprengstoff gewusst haben

Der Lagerraum, in dem das Waffenlager gefunden wurde, war von der Hongkonger National Front gemietet worden, die für die Unabhängigkeit des chinesischen Territoriums eintritt. Die Gruppe beteuerte aber nach Presseberichten, nichts von dem Sprengstoff gewusst zu haben. Es seien dort nur Lautsprecheranlagen und Informationsmaterial gelagert worden. Der festgenommene 27-Jährige gehöre der Organisation an.

Die Polizei hatte auf "Geheimdienstinformationen" reagiert, als sie das Lager am Freitagabend entdeckte, wie die "South China Morning Post" berichtete. Bei dem Sprengstoff handelte es sich demnach um hochexplosives TATP (Triacetone Priperoxide). "Ich denke, es ist ohne Zweifel die größte Menge, die wir jemals in Hongkong gefunden haben", wurde Superintendent Alick McWhirter zitiert.

Die frühere britische Kronkolonie kommt seit Wochen nicht zur Ruhe. Hunderttausende sind mehrfach auf die Straßen gegangen, um gegen die Regierung und Chinas wachsenden Einfluss zu protestieren. Nach einer Demonstration am 1. Juli stürmten Aktivisten sogar das Parlament. Auslöser der Proteste war ein inzwischen auf Eis gelegtes Gesetz für Auslieferungen von Personen an China, die von der chinesischen Justiz beschuldigt werden.

Widerstand gegen China wächst

Der Widerstand unter den sieben Millionen Hongkongern ist groß, weil Chinas Justiz nicht unabhängig ist und als Werkzeug der politischen Verfolgung dient. Auch warnen Kritiker vor Folter und Misshandlungen in China. Regierungschefin Carrie Lam hat den Gesetzentwurf seither ausgesetzt und für "gestorben" erklärt. Einen formellen Rückzug des Entwurfs, wie von den Demonstranten gefordert, lehnt sie aber ab.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong unter chinesischer Souveränität autonom in eigenen Grenzen regiert. Anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die Hongkonger das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Immer mehr Hongkonger befürchten aber, dass die Führung in Peking ihnen ihre Rechte beschneiden will. (apa, dpa)