Washington. Was sich der Bürger Robert Mueller denkt, darüber lässt sich auch nach seinem gestrigen Auftritt nur spekulieren. Was den Sondermittler Mueller angeht, ließ der auch bei seinem 89. und wahrscheinlich letzten Auftritt vor dem US-Kongress einmal mehr spüren, dass er aus seiner Sicht bereits alles gesagt habe, was es zu sagen gibt – und das sei, was er und sein Team in dem seit fünf Monaten vorliegenden, 448 Seiten langen Endbericht, dem sogenannten "Mueller Report", zusammengefasst haben.

Um halb neun Uhr morgens Ortszeit Washington nahm der 74-Jährige in einem Sitzungszimmer des Abgeordnetenhauses seinen Platz ein und stand zunächst dreieinhalb Stunden den Volksvertretern im Justizausschuss und dann noch einmal zwei Stunden denen im Geheimdienstausschuss zur Verfügung. In den Wochen zuvor hatte sich der langjährige FBI-Chef (2001-2013) intensiv auf die Befragung vorbereitet und sich mit ausgewählten Ex-Mitgliedern seiner Mannschaft ins Büro seines ehemaligen Arbeitsgebers, dem prominenten Anwaltsbüro WilmerHale, zurückgezogen. Dem Justizministerium hatte das nicht genügt.

Anfang der Woche schickte der stellvertretende Generalbundesanwalt Bradley Weinsheimer Mueller auf Geheiß von Justizminister William Barr einen Brief, in dem er ihn ermahnte, den Abgeordneten nichts zu erzählen, was über den Rahmen des Berichts hinausgehe. Unter diesen Vorzeichen nahm die Anhörung ihren Lauf – und förderte entsprechend kaum substanzielles zutage; aber nachdem viele Kongressabgeordnete Muellers Bericht bis heute nicht gelesen haben, von einer breiten Öffentlichkeit ganz zu schweigen, war das auch nicht der Sinn der Übung. So geriet Robert Muellers Anhörung mehr zu einer Kombination aus intensiver Text-Exegese und purer Parteipropaganda als zu einer ernsthaften Debatte darüber, was in den USA unter Donald Trump alles rechtlich möglich ist und was nicht.

Demokraten schießen sich auf Trumps Interventionen ein

Während sich die republikanischen Angehörigen der Ausschüsse bemühten, Muellers Ermittlungsergebnisse anzuzweifeln, konzentrierten sich die Demokraten auf zwei Punkte: erstens, noch einmal das volle Ausmaß der russischen Interventionen im Wahlkampf 2016 und der Lügen einer Handvoll enger Berater des Kandidaten Trump darzustellen, die jetzt dank Muellers Arbeit im Gefängnis sitzen (unter anderem Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort sowie Trumps langjähriger Leibanwalt Michael Cohen). Und zweitens, im Detail die im Mueller-Report dargestellten zehn Anlassfälle auszubreiten, die Trumps Versuche beschreiben, die Arbeit der Sonderermittler aktiv zu behindern. Und Mueller selbst?