Moskau/Brüssel. Das harte Vorgehen der russischen Polizei bei einer Protestkundgebung in Moskau hat für scharfe Kritik in der EU gesorgt. "Diese Festnahmen und die unangemessene Gewalt gegen friedliche Demonstranten" (...) untergrüben einmal mehr die Grundrechte auf freie Meinungsäußerung sowie auf Versammlungsfreiheit, sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini.

"Diese Grundrechte sind in der russischen Verfassung verankert, und wir erwarten, dass sie geschützt werden." Zugleich forderte sie Chancengleichheit für alle Kandidaten bei der anstehenden Regionalwahl. Die Vorfälle vom Samstag folgten einer "besorgniserregenden Serie von Festnahmen und Polizeirazzien gegen Oppositionspolitiker in den vergangenen Tagen".

Bei der Kundgebung gegen den Ausschluss zahlreicher Oppositionspolitiker von der Regionalwahl waren am Samstag nach Angaben von Aktivisten mehr als 1370 Menschen festgenommen worden. Damit hatte sich die ursprüngliche Schätzung von 700 Festgenommenen noch einmal drastisch erhöht. Die russischen Behörden sprachen am Abend von 1074 Menschen, die "wegen verschiedener Straftaten in Gewahrsam genommen" worden seien.

Medienberichten zufolge kamen die meisten in der Nacht zum Sonntag wieder auf freien Fuß. Die Proteste waren von den Behörden nicht genehmigt worden.

Oppositioneller Nawalny  im Krankenhaus

Unterdessen ist einer der Initiatoren der Proteste, Alexej Nawalny, wegen eines allergischen Anfalls ins Krankenhaus eingeliefert worden. Er habe ein angeschwollenes Gesicht und Hautrötungen gehabt, sagte seine Sprecherin. Nawalny war zu 30 Tagen Haft verurteilt worden, weil er zur Teilnahme an der verbotenen Kundgebung am Samstag aufgerufen hatte. Der Kremlkritiker saß schon mehrfach in Haft.

Weshalb es zu der allergischen Reaktion kam, sei noch unklar, erklärte die Sprecherin. Der Oppositionelle habe so etwas noch nie in seinem Leben gehabt. (apa/dpa)