Ramallah. Ein interner Untersuchungsbericht wirft ein schlechtes Licht auf die Führung des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA). In dem vertraulichen Papier, das der Nachrichtenagentur AFP in Kopie vorliegt, ist von Missmanagement und Machtmissbrauch auf höchster Ebene bis hinauf zu UNRWA-Chef Pierre Krähenbühl die Rede.

Das Hilfswerk sicherte seine volle Kooperation bei den Untersuchungen zur Aufklärung der Vorwürfe zu. Eine Stellungnahme wollte das UNRWA wegen der laufenden Ermittlungen nicht abgeben.

Die Vorwürfe treffen das UNRWA inmitten einer stark angespannten Finanzlage und erheblichen politischen Drucks. Die USA hatten im vergangenen Jahr ihre Zahlungen an das Hilfswerk zunächst ausgesetzt und später gekürzt. Die USA waren lange der größte Geldgeber des UNRWA.

Washington wirft dem Hilfswerk vor, wesentlich zur Verlängerung des Nahost-Konflikts beizutragen. Das UNRWA unterstützt palästinensische Flüchtlinge im Libanon, in Jordanien, Syrien und in den Palästinensergebieten.

Machtmissbrauch in Führungsebene

Die Vorwürfe der internen Ermittler umfassen "sexuelles Fehlverhalten, Freunderlwirtschaft, Diskriminierung und anderen Machtmissbrauch zum eigenen Nutzen, zur Unterdrückung legitimer abweichender Meinungen und zur Erlangung anderweitiger persönlicher Ziele". Ein ranghoher UNRWA-Mitarbeiter musste die Organisation dem Bericht zufolge wegen "ungebührlichen Verhaltens" im Zuge der Untersuchungen verlassen, andere seien aus "persönlichen Gründen" zurückgetreten.

Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen eine kleine Anzahl ausländischer Führungskräfte - auch gegen Krähenbühl selbst. Der UNRWA-Chef soll eine Liebesbeziehung zu einer Kollegin gehabt haben, die nach einem "äußerst schnellen" Auswahlverfahren 2015 auf einen ihm zugeordneten neu geschaffenen Beraterposten kam. Auf diese Weise habe sie Krähenbühl bei Business-Class-Flügen rund um die Welt begleiten können.

Eine Stellvertreterin Krähenbühls soll ihre Stellung ausgenutzt haben, um ihrem Ehemann einen gut dotierten Job zu verschaffen. Der Mitarbeiterin wird in dem Bericht zudem ein tyrannisches Führungsverhalten vorgeworfen; sie habe unliebsame Kollegen von Entscheidungsprozessen ferngehalten. Sie habe das UNRWA am vergangenen Donnerstag aus "persönlichen Gründen" verlassen.

Ähnliche Vorwürfe des Schikanierens von Mitarbeitern werden gegen eine andere Führungskraft erhoben, von der sich das UNRWA ebenfalls getrennt habe. Beide Ex-Mitarbeiter waren nicht erreichbar.

Krähenbühl erklärte gegenüber AFP, falls die laufenden Untersuchungen zu Ergebnissen führen sollte, die "Korrekturmaßnahmen oder andere Managementmaßnahmen erforderlich machen, werden wir nicht zögern, diese zu ergreifen". Der Untersuchungsbericht wurde bereits im Dezember an das UN-Generalsekretariat gesandt. Seither inspizierten UN-Prüfer die UNRWA-Büros in Jerusalem und Amman. (apa, afp)