Washington/Detroit. Bei der ersten Runde im Juni war noch alles sehr höflich. Aber jetzt im Juli, bei der zweiten Runde der Fernsehdebatten der demokratischen Präsidentschaftsbewerber in den USA, haben sich Linke und Moderate ideologische Richtungskämpfe auf offener Bühne geliefert. Die linken Senatoren Bernie Sanders und Elizabeth Warren verteidigten kämpferisch ihre Konzepte, während eher gemäßigte Kandidaten aus den hinteren Reihen diese zum Teil als unrealistisch und als "Märchen"-Politik abtaten.

Zwei, die sich ostentativ nicht angriffen: Bernie Sanders und Elizabeth Warren. - © Getty Images/Sullivan
Zwei, die sich ostentativ nicht angriffen: Bernie Sanders und Elizabeth Warren. - © Getty Images/Sullivan

Insbesondere beim Thema Gesundheitspolitik kam es in der Nacht auf Mittwoch bei der TV-Runde in Detroit zu einem heftigen inhaltlichen Schlagabtausch. Sanders und Warren stellten sich ihren Kritikern betont geschlossen entgegen.

Bei den Demokraten gibt es seit längerem einen Richtungsstreit über den künftigen Kurs der Partei. Viele junge und progressive Kräfte drängen nach links - ein Kurs, den die beiden älteren Senatoren Sanders (77) und Warren (70) schon lange verfolgen. Andere Teile der Partei halten dies für den falschen Weg im Präsidentschaftswahlkampf 2020 gegen Amtsinhaber Donald Trump, der versucht, die Demokraten als Trupp radikaler und gefährlicher Sozialisten darzustellen.

Deutlich zeigen sich die Differenzen in der Partei etwa bei der Gesundheitspolitik. Sanders verteidigte bei der TV-Debatte in Detroit - sekundiert von Warren - seine Idee von "Medicare for All", also einem Ausbau der staatlichen Krankenversicherung für alle. Weniger prominente Präsidentschaftsanwärter in der Runde - und Vertreter des moderaten Flügels - machten sich dagegen für eine Verbesserung des bestehenden Systems stark und warnten davor, Dinge zu versprechen, die nicht umsetzbar seien. John Delaney, der Ex-Kongressabgeordnete aus Maryland, mahnte etwa, die Demokraten müssten realistische Lösungen anbieten und nicht unmögliche Ideen und "Märchen-Politik".

"Nicht nur darüber sprechen, was wir nicht tun können"

Warren und Sanders dagegen riefen zu mehr Mut auf. Warren sagte, sie verstehe nicht, warum jemand sich als Präsident bewerbe, "nur um darüber zu sprechen, was wir wirklich nicht tun können und wofür wir nicht kämpfen sollten". Warren selbst gab sich kämpferisch: "Ich weiß, wie man kämpft - und ich weiß, wie man gewinnt." Sie scheue nicht davor zurück, sich mit Konzernen und einflussreichen Lobbyisten anzulegen. "Ich habe keine Angst."

Auch Sanders gab sich streitlustig und beklagte, er habe es satt, wenn sich Demokraten vor großen Ideen fürchteten. "Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht, kein Privileg", sagte er. "Dafür werde ich kämpfen." Mit Blick auf den Klimawandel mahnte er, auch hier sei ein "super-aggressives" Handeln nötig, um diesen zu bremsen.