Sie sprechen die - zumindest offiziell - letzte Amtszeit Wladimir Putins an, die 2024 endet. Rechnen Sie damit, dass sich die russische Außenpolitik ändert?

Unabhängig davon, wer Präsident wird: Schon seit 300 Jahren blickt Russland durch die "Brille des Westens" auf die Welt. Doch der Westen wird nicht mehr das einzige Zentrum der Weltpolitik sein. Russland wird sich nach Asien orientieren.

Die "Wende Richtung China" war vor allem nach 2014 in aller Munde. Viel ist daraus bisher aber noch nicht geworden.

Diese Prozesse dauern natürlich lange. Russland kann sich keine schlechten Beziehungen zu China leisten. Dazu ist es schlichtweg ein zu mächtiger Nachbar.

Blicken wir in die USA. Als Donald Trump gewählt wurde, knallten in Moskau die Sektkorken. Sie waren von Anfang an skeptisch. Warum?

Das große Problem ist, dass sich Trump eigentlich gar nicht für Russland interessiert. In seiner Weltsicht hat ein Land, das für zwei Prozent der Weltwirtschaft steht und fast keinen Handel mit den USA hat, keine Priorität. Wofür Russland wichtig ist - Stichwort Atommacht, Ressourcen, Ukraine -, dafür interessiert er sich nicht. China hält er für einen Feind, dem gegenüber er mit einer gewissen Ernsthaftigkeit auftritt. Gegenüber Russland nicht.

Was bedeutet das für Russland?

Das ist natürlich unangenehm! Wir sind es gewohnt, dass die russisch-amerikanischen Beziehungen ein zentraler Teil der Weltpolitik sind. Die Treffen zwischen Trump und Putin sind doch nur Show, ohne Substanz. Zuletzt haben sich die Beziehungen sogar verschlechtert. Das liegt auch daran, dass Russland in den USA zu einem innenpolitischen Faktor geworden ist und von Trumps Gegnern benutzt wird, um ihn zu diskreditieren.

...was mit Russland selbst nichts mehr zu tun hat?

Wir sind nur noch ein Instrument, nicht mehr der Akteur. Und das ist ein Problem. Auch dann, wenn für Moskau künftig die Beziehungen zu Peking im Vordergrund stehen, so brauchen wir dennoch gute Arbeitsbeziehungen zu den USA, um auch gegenüber China genug weltpolitisches Gewicht zu haben.

Auch in der EU wird über den Einfluss Moskaus diskutiert, etwa was die Unterstützung rechtspopulistischer Parteien betrifft.

Wir sehen, dass sich die politische Landschaft in der EU verschiebt. Nicht nur nach rechts, sondern auch nach links. Das macht es aber auch für Moskau nicht leichter. Ich denke, die Rechtspopulisten haben ihren Plafond schon erreicht. Ich war immer dagegen, dass Russland mit diesen Ultrarechten spielt. Wie kann Moskau Beziehungen etwa zu Parteien haben, die den Heldenmut der deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg preisen? Sie reden zwar immer davon, die Sanktionen gegen Russland abzuschaffen - so lange, bis es eben zur Abstimmung im EU-Rat kommt. Aber dass der Kreml wirklich ein strategisches Interesse an ihnen hat, sehe ich nicht.