Dayton/El Paso. (reu/afp/dpa) Donald Trump liebt für gewöhnlich das Bad in der Menge. Doch statt Jubelchören musste sich der US-Präsident am Mittwoch auf Buhrufe bei seinen Auftritten in Dayton und El Paso einstellen - in jenen Städten, in denen vergangenen Samstag zwei Todesschützen 31 Menschen erschossen hatten.

Der Präsident und die First Lady wollten dort ihr Mitgefühl und ihre Unterstützung ausdrücken, sagte Trumps Vize Mike Pence. Aber selbst ein Parteikollege wie El Pasos Bürgermeister Dee Margo zeigte sich im Vorfeld wenig erfreut über die Visite. Er werde sich gegen jegliche "verletzenden oder falschen Aussagen" über El Paso wehren - ein Seitenhieb gegen Trump, der El Paso mehrfach kritisiert hatte.

In der 680.000-Einwohner-Stadt nahe der mexikanischen Grenze sind mehr als 80 Prozent der Bürger lateinamerikanischer Herkunft. Mit mehr als 50 Millionen Bürgern stellen Menschen mit spanischen oder lateinamerikanischen Wurzeln die größte Minderheit in den USA. Von einer "Invasion" schrieb der 21-jährige Attentäter von El Paso in seinem Manifest - ein Begriff, den Trump mehrfach gebrauchte. Seit seiner Festnahme habe der 22-fache Mörder keine Reue gezeigt, sagte Greg Allen, Polizeichef von El Paso. Der Mann habe regelmäßig Twitter-Botschaften von Trump geteilt, berichtete CNN. Ein Foto, auf dem Trumps Name mit Waffen dargestellt wird, markierte er mit "Gefällt mir".

"Meine Rhetorik bringt Menschen zusammen"

In die Kritik, dass der Täter Trumps Worte in die Tat umgesetzt hat, stimmen nun 39 Latino-Vertreter ein, darunter Politiker und Bürgerrechtler. Sie schreiben in einem offenen Brief, "Trump schürt die Flammen des Hasses, der Spaltung und der Bigotterie, die sich gegen uns alle richten - gegen Einwanderer und US-Bürger gleichermaßen". Der Präsident decke weiße Nationalisten, indem er Hassreden ausdrücklich und Gewalt stillschweigend befürworte. Trump stellt das in Abrede: "Ich denke, meine Rhetorik bringt Menschen zusammen. Unserem Land geht es unglaublich gut."

Doch nach mehr als 250 Fällen alleine 2019, bei denen mindestens vier Menschen durch Schusswaffengewalt verletzt oder getötet wurden und in Verbindung mit dem Rassismus des Täters von El Paso wird die Forderung nach strengeren Waffenregeln laut. El Paso und vergleichbare Verbrechen könnten nicht einfach mit psychischen Erkrankungen der Täter entschuldigt werden, hieß es in dem Brief der Latino-Verteter. Trump will nach den beiden Attentaten Gesetzesänderungen, um sicherzustellen, dass psychisch Kranke, die eine Gefahr für die Öffentlichkeit darstellen, nicht in den Besitz von Waffen kommen können. Dafür gebe es im Kongress auch auf beiden Seiten des politischen Spektrums große Unterstützung, sagte er am Mittwoch. Demokraten und Republikaner seien einer Lösung nahe. Tatsächlich versuchen die Demokraten seit Monaten, die sogenannten Background-Checks über Waffenkäufer im Kongress durchzusetzen. Trumps Republikaner haben das Vorhaben jedoch im Senat blockiert, wo sie über die Mehrheit verfügen.

Politiker sollen
"ihren Hintern hochkriegen"

Diese Haltung stößt nun bei Prominenten auf Unverständnis. Am Mittwoch meldeten sich zwei hochdekorierte Basketballtrainer zu Wort. Wenn 97 Prozent der Amerikaner allgemeine Background-Checks forderten und der Senat nicht nur strengere Waffengesetze nicht durchsetze, sondern noch nicht einmal darüber abstimmen lässt, nur weil Senats-Mehrheitsführer Mitch McConnell das nicht erlaube, weil er von der Waffenlobbyorganisation NRA gekauft sei, "dann hast du Probleme", sagte Steve Kerr, Coach der Golden State Warriors. Sein Kollege Gregg Popovich von den San Antonio Spurs forderte, "es wäre viel besser, wenn die Leute, die an der Macht sind, ihren Hintern hochkriegen und etwas bewegen würden - in vielen verschiedenen Bereichen". Zuvor hatten bereits Comedian Jimmy Kimmel, Sängerin Rihanna und Schauspielerin Reese Witherspoon für schärfere Waffengesetze plädiert.

Zumindest bei den Background-Checks scheint eine Veränderung möglich, jedoch mauern die Republikaner beim Verkaufsverbot für Sturmgewehre, die in den USA immer wieder bei Gewalttaten zum Einsatz kommen. Solche weitergehende Schritte hätten keine Unterstützung, richtete Trump aus.

Während beim Schützen von El Paso die Motivlage klar ist, haben die Ermittler beim Attentäter von Dayton bisher keinen rassistischen Wahn ausgemacht, dafür Frauenfeindlichkeit. "Er war irgendwie voller Hass auf Frauen, weil sie sich nicht mit ihm verabreden wollten", sagte auch ein früherer Freund der "New York Times". Nachdem der Mann eine "Abschussliste" mehrerer Mädchen seiner Schule erstellt hatte, wurde er von der Bellbrook Highschool verwiesen, so die "Dayton Daily News". Der Täter von Ohio tötete neun Menschen, darunter seine 22 Jahre alte Schwester. Wenig später wurde er von der Polizei erschossen.