Seoul. Es werde keine innerkoreanischen Verhandlungen geben, solange die Manöver Südkoreas mit den USA andauerten. Das erklärte ein nordkoreanischer Diplomat nach einem Bericht der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag. Unterdessen bestätigte Nordkorea den Test von zwei Mittelstreckenraketen.

Machthaber Kim Jong-un habe den Start der neuartigen Flugkörper überwacht, berichtete KCNA. Südkorea wertete den Abschuss der Raketen als demonstratives Zeigen militärischer Stärke angesichts gemeinsamer Manöver der USA und Südkoreas. Beide Staaten hatten am Samstag weitere Militärübungen gestartet, die weitgehend in Form einer Computersimulation stattfinden und für die zehn Tage angesetzt sind. Nordkorea sieht in den Manövern eine Generalprobe für einen Krieg. Das Außenministerium in Pjöngjang teilte mit, es sei ein "Test für die Entwicklung konventioneller Waffen gewesen".

Der Raketentest erfolgte nur einige Stunden nachdem US-Präsident Donald Trump erklärt hatte, er habe einen "sehr schönen Brief" von Kim erhalten. Der US-Präsident sagte, er glaube, er werde ein weiteres Treffen mit Kim haben. Die beiden Politiker haben sich seit vergangenem Jahr drei mal getroffen. Am 30. Juni haben sie neue Gespräche über eine atomare Abrüstung des abgeschotteten Landes verabredet. Diese Verhandlungen sind bisher nicht in Gang gekommen. Offiziell befinden sich Nord- und Südkorea auch Jahrzehnten nach dem Korea-Krieg (1950-53) im Kriegszustand, da damals lediglich ein Waffenstillstand, nicht aber ein Friedensvertrag geschlossen wurde.

Kim habe den Observationsposten bestiegen und "den Testabschuss geleitet", meldete die KCNA. Er habe dann "große Zufriedenheit" über die Testergebnisse zum Ausdruck gebracht. Nach Angaben südkoreanischer Regierungsvertreter feuerte Nordkorea bei den Tests vom Samstagmorgen nahe der Stadt Hamhung an der Ostküste zwei - mutmaßliche ballistische - Kurzstreckenraketen ab. Die Geschoße flogen demnach rund 400 Kilometer weit und stürzten ins Meer.

Es war bereits der fünfte nordkoreanische Raketentest in zwei Wochen. Zuletzt hatte Pjöngjang am Dienstag offenbar zwei Kurzstreckenraketen abgefeuert - nur einen Tag nach Beginn von gemeinsamen Militärübungen der USA und Südkoreas. Die Führung in Pjöngjang hat die Manöver scharf verurteilt und seine Waffentests als "Warnung" an Südkorea und die USA bezeichnet. Trump am Samstag mit, er habe vom nordkoreanischen Machthaber eine "kleine Entschuldigung" für die jüngsten Raketentests erhalten. Kim habe ihm einen "langen Brief" geschickt, in dem er sich ausgiebig über die "lächerlichen und teuren" gemeinsamen Militärmanöver der USA und Südkoreas beschwere. Kim habe angekündigt, die Raketentests einzustellen, sobald die Manöver endeten. Der Abschuss ballistischer Raketen kurzer, mittlerer und langer Reichweite ist Nordkorea - das mehrfach Atombomben getestet hat - durch UNO-Resolutionen verboten.