In dem Land zeigt sich am deutlichsten und schärfsten ein Problem, von dem auch viele andere afrikanische Staaten betroffen sind: der sogenannte Fluch der Ressourcen. Der Kongo, der so groß ist wie Westeuropa, besitzt einen immensen Reichtum an Rohstoffen - hier finden sich etwa Kupfer, Zinn oder das für Mobiltelefone benötigte Coltan. Wirtschaftlich bedeutet das allerdings: Der Kongo ist von den schwankenden Weltmarktpreisen für die einzelnen Rohstoffe abhängig. Zudem wurde auch keine diversifizierte Ökonomie entwickelt, weil sich über die Bodenschätze das große Geld verdienen lässt. Die Bevölkerung ist bitterarm, während sich eine schmale Schicht bereichert.

Diese wirtschaftliche Konstellation geht oft einher mit bestimmten politischen Zuständen. Denn den Zugang zu den Rohstoffen sichern am ehesten politische und militärische Macht. Deswegen war es für Kabila und seinen Clan so wichtig, weiter die Fäden in der Hand zu halten. Deshalb wird Demokratie in vielen afrikanischen Ländern weniger als Repräsentation eines Volkswillens angesehen, "sondern vielmehr als Verteilungs- und Machtkampf zwischen einzelnen Gruppen erlebt", wie es eine Journalistin aus Uganda ausdrückt.

Freilich ist es schwierig, eine Typologie über ganz Afrika zu legen. Darauf verweist Gerald Hainzl, der für die Landesverteidigungsakademie zu dem Kontinent forscht. "Man muss sich jede einzelne Region, jeden einzelnen Staat anschauen, wer wo wie an welchem Rädchen dreht und wer wo welchen Einfluss und welche Macht hat", sagt der Forscher der bei dem derzeit stattfindenden Forum Alpbach gemeinsam mit Kollegen das Seminar "Freiheit und Sicherheit: Daten, Fakten und Stimmen aus Afrika" leitet.

Und redet man über den ganzen Kontinent, lassen sich zu jeder These auch Gegenbeispiele finden: So nutzte Botswana seinen Diamantenreichtum, um ein Schul- und Gesundheitswesen aufzubauen, und liegt in dem von der UNO erstellten Index der menschlichen Entwicklung vor allen anderen Staaten des südlichen Afrikas, inklusive Südafrika.

Trotzdem: In den meisten afrikanischen Staaten hat sich der Ressourcenreichtum - und dieser ist, wenn man über Freiheit und Sicherheit in Afrika spricht, ein entscheidender Faktor - vielmehr als Fluch denn als Segen erwiesen. Der Südsudan lebt ganz stark von seinen Erdöleinnahmen - und das ist einer der Gründe, warum ein Bürgerkrieg das ohnehin schon unterentwickelte Land vollkommen zerstört hat. Und in der Zentralafrikanischen Republik haben Diamanten den Bürgerkrieg befeuert.

Aber auch Demokratien werden von den Rohstoffen geschwächt: Und zwar auch solche, die wesentlich besser funktionieren als der Kongo. Nigeria ist dafür ein Beispiel, wo das Öl für den Großteil der Einnahmen des Staatshaushaltes sorgt.

Champagner und Armut

Die einstige Militärdiktatur hat sich zwar als Demokratie gefestigt, wovon Wahlen, bei denen sich auch ein Machtwechsel vollzog, zeugen. Es bleibt aber die große Anfälligkeit für Korruption, die die Institutionen untergräbt, und ein enormes Wohlstandsgefälle innerhalb der Bevölkerung.

Während die (nicht selten durch das Öl reich gewordene) Oberschicht den westafrikanischen Staat zu einem der größten Champagnerimporteure weltweit gemacht hat, leben rund 86 Millionen Menschen, das ist fast die Hälfte der Bevölkerung, von weniger als 1,90 Dollar am Tag und damit in extremer Armut. Diese Ungleichheit ist nicht der ausschließliche, aber mit ein Grund für die Aufstände und Gewaltausbrüche, die das Land immer wieder heimsuchen - etwa durch Rebellen im Süden des Landes, wo das Öl gefördert wird.