Tokio. Japans neuer Kaiser Naruhito hat am 74. Jahrestag von Japans Kapitulation im Zweiten Weltkrieg "tiefe Reue" über die Kriegsvergangenheit seines Landes geäußert. Rückblickend auf die "langen friedlichen Jahre nach dem Krieg", auf Japans Vergangenheit und "das Gefühl tiefer Reue", hoffe er "aufrichtig", dass sich die Gräuel des Krieges "nie mehr wiederholen werden", sagte Naruhito am Donnerstag.

Naruhitos Rede war in Japan und in ganz Asien mit Spannung erwartet worden. Der neue Kaiser wählte nun ganz ähnliche Worte wie sein Vater Akihito, der im April abgedankt hatte. Er hatte sich immer wieder vom aggressiven Expansionismus seines Vaters Hirohito im Zweiten Weltkrieg distanziert und regelmäßig seine pazifistischen Überzeugungen durchblicken lassen. Naruhito, der erst lange nach dem Krieg geboren wurde, hat ebenfalls ein "korrektes" Weltkriegsgedenken angekündigt.

Abe nicht im umstrittenen Yasukuni-Schrein

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe, der die Verpflichtung zum Pazifismus aus der japanischen Verfassung streichen will, verzichtete an dem Jahrestag auf einen Besuch im umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokio, in dem auch verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. Er ließ dem Schrein lediglich eine Geldspende zukommen und ließ sich von einem Mitarbeiter vertreten.

Der Yasukuni-Schrein ist umstritten, weil dort mit Japans 2,5 Millionen Kriegstoten auch 14 verurteilte Kriegsverbrecher geehrt werden. Besuche von japanischen Politikern in dem Schrein sorgen daher regelmäßig für große Verärgerung in China und Südkorea, die im Zweiten Weltkrieg von Japan, das mit Nazi-Deutschland verbündet war, besetzt waren. Abe hatte den Schrein zuletzt im Jahr 2013 besucht und damit eine diplomatische Krise ausgelöst.