Peking/Hongkong/Washington. China hat seine Warnung an die Demonstranten in Hongkong verschärft. "Peking hat nicht beschlossen, die Aufstände in Hongkong gewaltsam zu unterdrücken, aber Peking steht diese Option eindeutig zur Verfügung", heißt es in einem Leitartikel der staatliche kontrollierten "Global Times". Die Übungen der Bewaffneten Volkspolizei in Shenzhen, das direkt neben der Sonderverwaltungszone Hongkong liegt, seien eine deutliche Warnung an die "Randalierer" gewesen. Sollte Hongkong Rechtsstaatlichkeit nicht selbst wiederherstellen können und die Unruhen sich verstärken, sei es zwingend erforderlich, dass die Zentralregierung eingreife.

Die Demonstranten kündigten für das Wochenende aber neue Massenkundgebungen an.

Trump zeigte sich erneut "besorgt" über Hongkong-Krise

US-Präsident Donald Trump ist "besorgt" über die Gefahr eines gewaltsamen Vorgehens Chinas gegen die Protestbewegung in Hongkong. Trump rief den chinesischen Staatschef Xi Jinping abermals auf, sich mit Vertretern der Demokratiebewegung "zusammenzusetzen", um den Konflikt beizulegen. Er könne "wetten", dass Xi die Krise so "in 15 Minuten" beenden könnte. Zugleich fügte Trump hinzu, er wisse, dass dies nicht Xis Vorgehensweise entspreche. "Aber ich denke, es wäre keine schlechte Idee." Der US-Präsident erklärte zudem, er werde "bald" mit Xi telefonieren.

Hongkong wird seit Wochen von regierungskritischen Protesten
erschüttert, es kam zuletzt vermehrt zu Zusammenstößen mit
Sicherheitskräften. Trump war innenpolitisch jüngst immer mehr
kritisiert worden, weil er sich nicht klar für die demokratischen
Freiheitsrechte der Menschen in Hongkong aussprach.

Staatszeitung: China wird Tiananmen-Vorgehen "nicht wiederholen"

China wird nach Angaben einer Staatszeitung die Proteste für mehr Demokratie in Hongkong nicht ähnlich niederschlagen wie die Proteste am Tiananmen-Platz in Peking 1989. "Die Vorgänge in Hongkong werden keine Wiederholung des politischen Vorfalls vom 4. Juni 1989 sein", schrieb die staatliche "Global Times" am Freitag in einem Kommentar.

Heute sei China "viel stärker und reifer, und seine Fähigkeit zur Beherrschung komplexer Situationen hat sich sehr verbessert." In Hongkong gehen seit zehn Wochen Demonstranten gegen die pekingtreue Regierung auf die Straße. Dabei kam es zunehmend zu gewaltsamen Zusammenstößen. Inzwischen wachsen die Sorgen vor einem militärischen Eingreifen Chinas.

US-Sicherheitsberater John Bolton hatte Peking am Donnerstag vor einer blutigen Niederschlagung der Proteste gewarnt. Es wäre ein "großer Fehler", in Hongkong ähnliche "Erinnerungen" zu schaffen wie während der Tiananmen-Proteste vor 30 Jahren, sagte Bolton.

Am Tiananmen-Platz war die chinesische Armee am 4. Juni 1989 nach wochenlangen Studentenprotesten brutal eingeschritten. Schätzungen zu den Opferzahlen reichen von mehreren hundert bis zu tausenden Todesopfern. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Die brutale Niederschlagung der Proteste kostete China damals internationales Ansehen und stürzte das Land in eine Wirtschaftskrise.

Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit der Rückgabe
1997 an China als eigenes Territorium autonom regiert. Anders als die
Menschen in der kommunistischen Volksrepublik genießen die Hongkonger
das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und
Versammlungsfreiheit. Diese Rechte sehen viele nun in Gefahr. (apa, reuters, dpa, afp)