In jedem Fall ist Alves auch eine Überzeugungstäterin. Wenn sie über die brasilianische Linke spricht, hebt sie drohend den Zeigefinger. Dabei wirbelt ein kleines freischwebendes goldenes Kreuz am Ende ihrer Halskette hin und her. Beim Thema sexueller Missbrauch schießen ihr die Tränen in die Augen, auch wenn keine TV-Kameras im Raum sind.

Alves ist nach eigenen Angaben Opfer sexuellen Missbrauchs. Zwei Pastoren hätten sie als Mädchen missbraucht. Der Erste habe ihr gesagt, sie sei selbst schuld. Damals hatte sie Angst, dass ihr Vergewaltiger den Vater umbringe, wenn sie über das Erlebte spreche. Als junges Mädchen sei sie verzweifelt auf einen Baum geklettert mit der Absicht sich das Leben zu nehmen, dann habe sie das Gesicht Jesu gesehen und von diesem Plan abgelassen. Wenn sie heute von ihrem Kampf gegen den sexuellen Missbrauch von Buben und Mädchen spricht, bricht ihr die Stimme weg. Ein missbrauchtes Mädchen sei eine zerstörte Frau, sagt sie.

"Recht auf Entwicklung"

Alves kann wegen des Missbrauchs keine Kinder bekommen. Stattdessen hat sie vor vielen Jahren ein kleines indigenes Mädchen adoptiert. Lulu. Brasilianische Medien behaupteten damals, juristisch sei nicht alles einwandfrei zugegangen, sprechen gar von einer Entführung. Die Vorwürfe stammen vom Volk der Kamayurá aus den Tiefen des Amazonas. Alves kontert in den sozialen Netzwerken mit Bildern eines lachenden jungen Mädchens mit Zahnspange. Die biologischen Eltern könnten sie regelmäßig besuchen, es sei kein Gesetz verletzt worden. Heute ist ihre Adoptivtochter erwachsen, engagiert sich für Minderheiten. Lulu macht nicht den Eindruck, als sei sie unglücklich.

Alves ist als Ministerin auch für den Schutz der Menschenrechte der indigenen Völker im Amazonas mitverantwortlich, die in ökologisch wertvollen Reservaten leben. Die sind im Visier der Agrar-Lobby, um neue große Flächen für eine ganz auf Expansion ausgerichtete industrielle Lebensmittelproduktion zu gewinnen. Die indigenen Völker hätten ein Recht auf medizinische Versorgung und Zugang zu Bildung, findet Alves. "Es gibt indigene Frauen, die sterben bei einer Geburt." NGOs und Indigene würden ihnen das Recht auf Entwicklung verweigern, sie würde lieber sterben, als ihnen mögliche Hilfe zukommen zu lassen.