Viele Afghanen waren über den Anschlag entsetzt. "Das zerreißt mir das Herz", schrieb der Künstler Omaid Sharifi auf Twitter. "Wie ist das zu rechtfertigen?! Was ist unsere Schuld?!"

Ein Angestellter eines Mobiltelefongeschäfts, der Freunde in dem Anschlag verlor, drückte seine Wut darüber aus, dass die zahlreichen Sicherheitskräfte in der Hauptstadt derartige Angriffe nicht verhindern könnten. "Wir haben keine Regierung in diesem Land, wir haben nichts!", sagte er.

Präsident Ashraf Ghani drückte den Familien der Getöteten sein tiefstes Mitgefühl aus. Er berief eine Sondersitzung der Sicherheitsbehörden ein und sagte eine für Sonntag in Kabul geplante Wahlkampfveranstaltung ab. Ende September soll die Präsidentschaftswahl stattfinden.

Die Hochzeitshalle liegt an der Dar-ul-Aman-Straße, die für den afghanischen Unabhängigkeitstag am Montag in der Nacht feierlich beleuchtet wird. In den vergangenen Wochen war ganz Kabul für die Feier geschmückt worden, über viele Straßen wurden Afghanistan-Fahnen gehängt. Noch am Sonntag arbeiteten Hunderte Männer unweit des Anschlagsorts am Königspalast, der am Montag nach mehr als drei Jahren Renovierung wiedereröffnet werden sollte. Ob die Feiern zum Unabhängigkeitstag wie geplant stattfinden, war zunächst unklar.

Der Anschlag auf die Hochzeitshalle war der 17. größere Angriff in der Hauptstadt Kabul seit Jänner. Bei den vorherigen 16 wurden nach Behördenangaben insgesamt mindestens 113 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt. Zu den Angriffen hatten sich zum Teil die Taliban, zum Teil der IS bekannt.

Seit Juli vergangenen Jahres sprechen die USA, die vor fast 18 Jahren nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert waren, mit hochrangigen Vertretern der Taliban über eine politische Lösung des langjährigen Konflikts. Dabei geht es vor allem um Truppenabzüge und Garantien der Taliban, dass Afghanistan kein sicherer Hafen für Terroristen wird. Beide Seiten hatten sich jüngst optimistisch gezeigt, bald zu einer Einigung zu kommen. Viele Afghanen befürchten jedoch, dass die Gewalt durch IS-Anschläge im Land weiter andauern könnte.

US-Präsident Donald Trump hatte im Präsidentschaftswahlkampf 2016 versprochen, alle verbliebenen US-Soldaten in seiner Amtszeit aus Afghanistan zurückzuholen. Derzeit sind dort rund 14.000 Soldaten der Vereinigten Staaten stationiert.

Versteckte Bombe am Straßenrand explodiert

Auch bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe in der nordafghanischen Provinz Balkh wurden am Sonntag mehrere Zivilisten getötet. Zwischen zehn und zwölf Menschen seien bei dem Vorfall am Sonntag im nördlichen Bezirk Daulatabad ums Leben gekommen, darunter Frauen und Kinder, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Menschen seien allesamt in einem großen Auto gesessen, als die Bombe detoniert sei. Das Fahrzeug sei auf dem Weg in die Provinzhauptstadt Mazar-i-Sharif gewesen.

Selbst gebaute Bomben wie in diesem Fall werden häufig von Taliban-Kämpfern gelegt, um afghanische Sicherheitskräfte anzugreifen oder Truppenbewegungen zu behindern. Zahlen der Vereinten Nationen zufolge ist die Zahl ziviler Opfer durch den Einsatz solcher Sprengfallen in Afghanistan zuletzt gestiegen. In den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres sind in dem Land nach UNO-Angaben fast 1.400 Zivilisten getötet und weitere fast 2.500 verletzt worden. Täglich sterben zudem Dutzende Sicherheitskräfte und Taliban-Kämpfer bei Gefechten. Seit Jahresbeginn sind Schätzungen zufolge 220.000 Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht. (apa/dpa/afp)