Washington. Das "Wall Street Journal" (WSJ) gehört zu den seriösesten Medien der USA, zu den typischen Kritikern von US-Präsident Donald Trump zählt es nicht. Witze verbreitet die Wirtschaftszeitung erst recht nicht. Das WSJ meldete vergangene Woche als erstes Medium, der Immobilien-Mogul Trump erwäge einen ganz neuen Deal: Den Kauf von Grönland durch die USA.

Schon 1867 hatten die USA für einen Spottpreis Alaska von Russland gekauft, ein Geschäft, das Moskau bis heute bereuen dürfte. Diese Zeiten sind lange vorbei. Trump mag ein noch so unkonventioneller Präsident sein - aber würde er wirklich Grönland kaufen wollen? Selbst das "Wall Street Journal" war sich nicht sicher, ob Trumps Vorstoß ernstzunehmend sei. Die Zeitung zitierte eine ihrer Quellen damit, es könne sich um einen Witz Trumps gehandelt haben - nach dem Motto: "Ich bin so mächtig, dass ich ein Land kaufen könnte."

Kein Scherz, sondern "großes Immobiliengeschäft"

In den Berichten hieß es, der Republikaner habe Berater angewiesen, die Möglichkeit zu prüfen, die zum dänischen Königreich gehörende autonome Arktisinsel zu erwerben. Wie seriös die Absichten seien, sei selbst für seine Mitarbeiter unklar. Es sei etwa diskutiert worden, ob eine solche Offerte überhaupt legal sei, wie eine solche Operation vonstatten gehen könne und wo das Geld dafür herkommen solle.

Am Sonntag erklärte Trump dann, ein Kauf Grönlands könnte für die USA "strategisch" interessant sein. Er fügte hinzu: "Im Grunde wäre es ein großes Immobiliengeschäft". Dänemark verliere mit seiner Unterstützung für Grönland jedes Jahr viel Geld. Bei seiner angedachten Reise nach Kopenhagen könne das Thema besprochen werden, es sei aber nicht "oberste Priorität" und nicht der Anlass des Besuchs. Dänemark sei ein wichtiger NATO-Partner, der den Schutz der USA genieße, sagte der frühere Immobilienunternehmer. Schon zu diesem Zeitpunkt deutete er an, dass die Reise entfallen könnte.

Grönland und Dänemark hatten die Idee eines Verkaufs entschieden zurückgewiesen. Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen besuchte Grönland am Sonntag und betonte dort erneut, dass die Insel nicht zum Verkauf stehe. Zu Trumps Gedankenspielen sagte sie: "Ich hoffe inständig, dass dies nicht ernst gemeint ist." Der ehemalige Ministerpräsident Lars Lökke Rasmussen hatte es Ende vergangener Woche auf Twitter noch deutlicher formuliert: "Das muss ein Aprilscherz sein".

Der US-Präsident selbst hatte das Thema erst am Dienstag mit Humor kommentiert: Auf Twitter veröffentlichte er eine Fotomontage, die sein gold-glitzerndes Trump International Hotel Las Vegas inmitten kleiner bunter Häuser an Grönlands Küste zeigt. "Ich verspreche, Grönland das nicht anzutun", schrieb Trump dazu. Die scherzhafte Fotomontage mit dem Titel "Grönland in zehn Jahren" kursiert bereits seit einigen Tagen in den sozialen Netzwerken.

Auf Kauf-Absage folgt Besuchsabsage

Grönland mit seinen rund 56 000 Einwohnern ist autonom, gehört aber zum dänischen Königreich. Die Insel ist etwa 25 mal so groß wie Österreich, ein Großteil der Fläche ist ständig von Eis bedeckt - noch jedenfalls, der Klimawandel ist dort besonders spürbar. Spötter meinten nach der Ankündigung zu einem etwaigen Grönland-Kauf, Trump spekuliere darauf, dass wegen der Erderwärmung bald etliche Grundstücke mit Meerzugang frei würden. Für Washington könnte Grönland durch seine Lage in der Arktis, die Nähe zu Russland und wegen dort vermuteter Bodenschätze strategisch bedeutend sein. Trumps Berater Larry Kudlow hatte am Sonntag mit Blick auf die Insel gesagt: "Sie haben viele wertvolle Mineralien".

Die USA betreiben im Ort Thule zudem einen Luftwaffenstützpunkt, der Teil ihres Raketenwarnsystems ist. Im Zweiten Weltkrieg nutzten die USA die Insel auch für die Luftbrücke über den Atlantik.

Kopenhagen wäre die letzte Station von Trumps Europa-Reise gewesen, die ihn an diesem Samstag zunächst zum G-7-Gipfel der wichtigen Industriestaaten USA, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada und Japan ins französische Biarritz führt. Am 31. August kommt Trump dann nach Polen, einem seiner engsten Verbündeten in Europa - danach wäre er nach Kopenhagen gereist.

"Der Präsident und die First Lady haben auch eine Einladung angenommen, Ihre Majestät Margarete II., Königin von Dänemark, zu besuchen", hieß es Ende Juli in einer Mitteilung des Weißen Hauses zu dem geplanten Besuch in Kopenhagen. Eigentlich mag Trump royale Einladungen: Paläste, feine Dinner und Ehrengarden, das hat er erst im Juni beim Staatsbesuch in Großbritannien genossen. Dennoch wusste niemand so recht, was Trump eigentlich in Kopenhagen will, abgesehen von der Tatsache, dass Dänemark auf dem Nachhauseweg von Polen lag.

Dann kam auf einmal das Thema Grönland auf die Tagesordnung - das nun dafür sorgte, dass die Reise abgesagt wurde. "Dänemark ist ein sehr besonderes Land mit unglaublichen Menschen", schrieb Trump am Dienstagabend (Ortszeit) auf Twitter. Weil Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen aber kein Interesse daran zeige, über einen Verkauf von Grönland zu sprechen, werde er den Besuch auf unbestimmte Zeit verschieben.

Ein Sprecher des Weißen Hauses stellte später klar, dass der gesamte Besuch am 2. und 3. September abgesagt sei. Geplant waren bilaterale Gespräche und Treffen mit Wirtschaftsvertretern. (apa, afp, dpa)