Brasilia/Dublin. Irland droht mit einer Blockade des EU-Handelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten, wenn Brasilien den Regenwald am Amazonas nicht besser schützt. Ministerpräsident Leo Varadkar sei sehr besorgt über das rekordträchtige Ausmaß der Regenwald-Zerstörung, berichtete der "Irish Independent". "Irland wird keinesfalls für das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen stimmen, falls Brasilien seinen Umweltschutzverpflichtungen nicht nachkommt", wird Varadkar in dem Blatt zitiert. Nach rund 20-jährigen Beratungen hatte die EU Ende Juni ein Freihandelsabkommen mit dem südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercosur vereinbart, dem neben Brasilien auch Argentinien, Paraguay und Uruguay angehören.

Finnland wiederum hat ein Einfuhrverbot für brasilianisches Rindfleisch in die EU ins Gespräch gebracht. "Finanzminister Mika Lintila verurteilt die Zerstörung des Regenwaldes am Amazonas und schlägt vor, dass die EU und Finnland dringend die Möglichkeit eines Verbots brasilianischer Rindfleisch-Importe prüfen sollten", erklärte das finnische Finanzministerium am Freitag. Finnland hat derzeit die rotierende EU-Ratspräsidentschaft inne.


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Brände weltweit vom Weltraum aus gesehen
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Beim g20-Gipfel saßen sie noch nebeneinander, nun wirft Bolsonaro (rechts) Macron eine "kolonialistische Mentalität vor. - © APAweb / AFP, Jacques Witt
Beim g20-Gipfel saßen sie noch nebeneinander, nun wirft Bolsonaro (rechts) Macron eine "kolonialistische Mentalität vor. - © APAweb / AFP, Jacques Witt

Bolsonaro für wirtschaftliche Erschließung des Amazonasbecken

Die ehemalige brasilianische Umweltministerin Marina Silva hat angesichts der verheerenden Waldbrände schwere Vorwürfe gegen Präsident Jair Bolsonaro und sein Kabinett erhoben. Die Regierung habe durch ihre "Nachlässigkeit" ein "zügelloses Vorgehen" bei der Brandrodung begünstigt, sagte Silva. So seien die Brände außer Kontrolle geraten: "Es gab im Amazonas-Gebiet immer Abholzung und Brände, aber niemals hat eine Regierung illegales Verhalten verteidigt." Zwar verfüge Brasilien über die technischen Voraussetzungen, um die Brände zu bekämpfen. Allerdings habe Bolsonaros Regierung "diese Politik aufgegeben" und misstraue Umweltschützern und Wissenschaftern.

Waldbrände im Amazonas-Gebiet
Waldbrände im Amazonas-Gebiet

Bolsonaro selbst hat wiederholt erklärt, dafür eintreten zu wollen, das Amazonasbecken wirtschaftlich zu erschließen und Bergbau, Landwirtschaft und Holzeinschlag zu ermöglichen. Angesichts der besorgten Reaktionen auf die verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet verbittet sich Brasiliens Staatsführung Ratschläge aus dem Ausland. "Die brasilianische Regierung ist weiterhin offen für einen Dialog, der auf objektiven Daten und gegenseitigem Respekt beruht", schrieb Präsident Jair Bolsonaro auf Twitter.