Reykjavik/Washington. Erst vor ein paar Tagen hat Donald Trump mit seinem Ansinnen, Grönland kaufen zu wollen, in Dänemark für Kopfschütteln gesorgt – vor allem auch deshalb, weil der US-Präsident, nachdem sein Vorstoß in Kopenhagen nicht gerade für Begeisterung gesorgt hatte, gleich seine lang geplante Reise nach Dänemark absagte. Nun droht die nächste Verstimmung mit einem Land, das für den Wettlauf um die Arktis geopolitisch relevant ist: mit Island. Dessen Ministerpräsidentin Katrin Jakobsdottir ließ am Donnerstag wissen, sie habe keine Zeit für ein Anfang September geplantes Treffen mit US-Vizepräsident Mike Pence. Politische Beobachter vermuten einen Zusammenhang mit Plänen der USA, ihre ehemalige Luftwaffenbasis Keflavik wieder aufzubauen.

Die wies Jakobsdottir in einem Rundfunkinterview zurück. Die Politikerin der links-grünen Bewegung gab an, dass sie seit längerem ihre Teilnahme an einem Nordischen Gewerkschaftstreffen in Schweden zugesagt hat, die sie nicht absagen möchte.

"Strategische Bedeutung der Arktis" 

Angefacht wurden die Spekulationen über ein mögliches anderes Motiv für die Absage unter anderem dadurch, dass Islands Regierung bei der Bekanntgabe des für 4. September geplanten Besuchs des US-Vizepräsidenten als Arbeitsthemen Handelsfragen und allgemeine Zusammenarbeit aufzählte. Pence hingegen sprach in seiner Aussendung von der "strategische Bedeutung der Arktis" und "Bemühungen der Nato, der russischen Aggression" in der Region zu begegnen.

Die USA haben angekündigt, dass sie ihre ehemalige, 2006 aus Kostengründen geschlossene Militärbasis auf der unweit der Hauptstadt Reykjavik gelegenen Halbinsel Keflavik bis 2023 gerne wieder aufbauen würden. Island verfügt über kein eigenes Militär, ist aber Mitglied der Nato.

Die Grünen, deren Vorsitzende Jakobsdottir ist, befürworten grundsätzlich einen Austritt Islands aus dem nordatlantischen Militärbündnis, während im Koalitionsprogramm mit der konservativen Unabhängigkeitspartei und der liberalen Fortschrittspartei ein vorläufiger Verbleib in der Nato vereinbart ist. (apa, leg)