Biarritz. Der G7-Gipfel im südwestfranzösischen Biarritz hat heute Abend mit dem traditionellen "Familienfoto" und einem gemeinsamen Abendessen begonnen. Serviert wurde frischer roter Thunfisch. Der Fisch ist wegen Überfischung eine zunehmend bedrohte Tierart und steht auf der "Roten Liste" der Weltnaturschutzunion IUCN. Der Gipfel der sieben führenden Industriestaaten USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien starte also nicht gerade umweltfreundlich.

Vor Beginn des Gipfels war auch weniger der in Flammen stehende Amazonas-Regenwald, sondern vielmehr Handelspolitik das Thema des Tages. Die europäischen Vertreter haben US-Präsident Donald Trump ins Gewissen geredet: Eine konfrontative Handelspolitik sei "schädlich für die ganze Welt", sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Samstag unter Anspielung auf Trump. EU-Ratspräsident Donald Tusk warnte vor Handelskriegen, die "zur Rezession" führen.

Ähnlich äußerte sich der britische Premierminister Boris Johnson. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte vor nationalen Alleingängen bei globalen Problemen.

Trump erhöhrt Strafzölle und droht Frankreich

Trump hatte kurz vor seinem Abflug nach Biarritz die Strafzölle auf chinesische Waren erhöht. Seit Monaten belegen sich die beiden weltgrößten Volkswirtschaften mit immer neuen Steuern, während die Weltwirtschaft immer klarere Signale einer Schwächephase aussendet. Der US-Präsident drohte zudem Frankreich mit Strafzöllen auf Wein, wenn das Land weiter eine Digitalsteuer auf US-Internetkonzerne wie Google und Apple erhebt.

Auf diese angespannte Ausgangslage nahm Macron in einer TV-Ansprache in Biarritz Bezug: "Wir müssen es schaffen, zu einer Form der Deeskalation zu kommen (...) und diesen Handelskrieg zu vermeiden, der sich überall abzeichnet." EU-Ratspräsident Tusk warnte seinerseits: "Handelskriege führen zur Rezession, Handelsverträge beleben die Wirtschaft."

Der britische Premierminister Johnson warnte in Biarritz: "Diejenigen, die Strafzölle unterstützen, laufen Gefahr, später für den Abschwung der Weltwirtschaft verantwortlich gemacht zu werden." Merkel mahnte eine "gemeinsame Herangehensweise" bei globalen Streitfragen an. Kein Land könne die Rahmenbedingungen "alleine festlegen".

Trump und Macron reden zwei Stunden

Unmittelbar vor dem Gipfel trafen sich dann Macron und Trump. Sie haben sich zwei Stunden lang über die Iran-Krise, den Handel oder die Waldbrände im Amazonasgebiet beraten. Die Diskussion sei sehr produktiv verlaufen, hieß es am Samstag in Biarritz aus Kreisen des französischen Präsidialamtes.

Das Mittagessen der beiden Staatschefs auf einer Hotelterrasse war vorher nicht angekündigt worden.

Es gebe gemeinsame Interessen, hieß es nach dem Treffen mit Blick auf die Beziehungen zwischen Paris und Washington. Macron sei es darauf angekommen, die persönliche Beziehung zum Chef des Weißen Hauses zu pflegen. Die Beziehung zwischen den beiden Präsidenten gilt als eher gespannt, da es Meinungsverschiedenheiten in der Handels- oder Klimapolitik gibt.

Macron appelierte auch an Trump, eine Annäherung im Konflikt um den Iran zu ermöglichen: Nötig sei eine "enge Abstimmung", denn allen gehe es um das gleiche Ziel: "Sicherzustellen, dass der Iran keinen Zugang zu Atomwaffen bekommt."

Trump hatte einseitig das internationale Abkommen aufgekündigt, das den Iran vom Bau einer Atombombe abhalten soll. Der US-Präsident reagierte ausweichend auf Macrons Vorstöße als G7-Gastgeber: "Manchmal geraten wir ein wenig aneinander", sagte Trump vor dem Mittagessen mit Macron auf der Terrasse des Luxushotels Hôtel du Palais, wo der Gipfel stattfindet. "Aber das Wetter ist perfekt und alle verstehen sich."

Amazonas, Syrien, Digitalisierung

Bei dem bis Montag dauernden Treffen soll eine lange Liste von Themen angesprochen werden: Die Konflikte in Syrien und der Ukraine, die Brände im Amazonas-Urwald, Entwicklungspolitik, die Chancen und Risiken der Digitalisierung und die Lage in Afrika, insbesondere in der Sahelzone. Auch die schwierigen Brexit-Verhandlungen dürften zur Sprache kommen.

Mit Blick auf die Kriege in Syrien und in der Ost-Ukraine sagte Macron: "In diesen Bereichen sind wir uns manchmal nicht einig."Die Europäer hoffen, die USA zur Abschwächung ihrer "Politik des maximalen Drucks" auf den Iran zu bewegen. Dies soll den Weg zu neuen Verhandlungen mit Teheran ebnen.

Vor dem offiziellen Gipfelbeginn wollten sich die europäischen G7-Länder in dieser und anderen Fragen abstimmen, auch ein bilaterales Treffen Merkels mit Macron stand auf dem Programm. Mit US-Präsident Trump wird Merkel voraussichtlich am Montagmorgen zusammenkommen.

Tausende bei Gegendemo

Bei der einzigen genehmigten Demonstration im Umfeld des Gipfels sind am Samstag mehrere tausend Globalisierungskritiker vom südfranzösischen Hendaye ins nahegelegene Irún im spanischen Baskenland gezogen. Nach Angaben der Veranstalter nahmen an dem Protestzug 15.000 Menschen teil, die Polizei sprach von 9.000 Teilnehmern.

Am Vorabend wurden drei junge Deutsche wegen geplanter Gewalttaten zu zwei bis drei Monaten Haft verurteilt, nachdem sie am Mittwoch in der Region festgenommen worden waren. Darüber hinaus verhängte das Gericht gegen sie ein fünfjähriges Wiedereinreiseverbot. Die drei Deutschen wurden am Mittwoch an einer Autobahn-Mautstelle bei Biarritz festgenommen. In ihrem Auto fanden Polizisten eine Tränengasgranate, Sturmhauben, einen Eispickel sowie laut Staatsanwaltschaft Dokumente "der extremen Linken". Den Ermittlern sagten die Deutschen, sie seien nicht auf dem Weg nach Biarritz, sondern zum Campen nach Spanien. Ein Gericht in Bayonne sprach die drei Männer im Alter zwischen 18 und 22 Jahren wegen der Planung von Gewalttaten schuldig. Vom Vorwurf des Waffenbesitzes wurden sie freigesprochen.

Der Protestzug von Hendaye ins vier Kilometer entfernte Irún verlief friedlich und ging um 14.00 Uhr offiziell zu Ende. Unter den Teilnehmern waren Kapitalismuskritiker, Umweltschützer und Globalisierungsgegner, aber auch einige "Gelbwesten", die sich besonders gegen die Politik des französischen Präsidenten Emmanuel Macron richten. Viele Kundgebungsteilnehmer schwenkten baskische Flaggen. "Es ist wichtig, dass die Bevölkerung aufsteht und zeigt, dass sie nicht mit der Welt zufrieden ist, die uns serviert wird", sagte die 47-jährige Baskin Elise Dilet. Der 28-jährige Max aus dem spanischen Baskenland sagte, die Kundgebung richte sich gegen die "Maskerade" des G-7-Gipfels.

Die Behörden hatten Ausschreitungen befürchtet und ein massives Sicherheitsaufgebot mobilisiert. Insgesamt waren im Zusammenhang mit dem Gipfel 17.000 Polizeikräfte im Einsatz. Macron rief die Gipfelgegner zur konstruktiven Mitarbeit auf. "Wir werden mit den großen Herausforderungen nicht fertig, wenn wir nicht zusammenarbeiten", sagte er in einer Ansprache kurz vor Beginn des Gipfels. "Ich rufe zur Ruhe und zur Einheit auf. (apa, afp)