Und die Regierung motiviert saudische Unternehmen durch Subventionen, sich in Afrika zu engagieren. So werden von Südafrika über den Senegal bis Äthiopien mit saudischem Geld Bewässerungsanlagen aufgebaut, Traktoren und Erntemaschinen angeschafft, Düngemittel, Straßen und Kühlhäuser finanziert, um Lebensmittel für Saudi-Arabien zu produzieren. "Dieser Ansatz ist höchst umstritten", sagt Heibach. Denn die Gefahr sei groß, dass für die lokale Bevölkerung die Versorgung nicht mehr sichergestellt werden könne.

Im Jahr 2016 unterzeichneten Khartum und Riad einen Vertrag, wonach Saudi-Arabien mehr als 400.000 Hektar Ackerland im Sudan bebauen darf, eine Fläche so groß wie das Burgenland. Laufzeit der Pacht: 99 Jahre. Unter den guten Beziehungen zum Königshaus litten jene zum Iran. Khartum wies iranische Diplomaten aus. Iranische Waffenlieferungen vom Sudan an die Hamas gingen seit 2016 drastisch zurück. Statt dessen unterstützt der Sudan Saudi-Arabien im Jemen-Krieg. Die Monarchie setzt sich im Gegenzug für eine Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen den Sudan ein.

Neben der Produktion von Lebensmitteln und Agrargütern geht es Saudi-Arabien bei seinem Afrika-Engagement aber natürlich auch um traditionelle geostrategische Interessen. So zählt die knapp 27 Kilometer breite Meerenge Bab el-Mandeb zwischen dem Jemen auf der einen und Eritrea und Dschibuti auf der anderen Seite zu den wichtigsten Schifffahrtswegen vom Indischen Ozean ins Mittelmeer. 2016 wurden auf dieser Route fünf Millionen Barrel Öl pro Tag befördert. Saudi-Arabien und die verbündeten Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) konnten ihren Einfluss in Äthiopien, Eritrea und Dschibuti durch Militärbasen und diplomatische Beziehungen sichern. Diesen Einfluss nutzte Saudia-Arabien 2018, um Eritrea und Äthiopien zu einem Friedensvertrag zu bewegen. Nach zwei Jahrzehnten Krieg sind die Grenzübergänge zwischen den Ländern nun wieder geöffnet. "Riad kann durchaus Anreize setzen, um Konfliktparteien an einen Tisch zu bringen und Gespräche positiv beeinflussen", sagt Heibach.

Chinesische Basis in Dschibuti

Andererseits verfolge Riad eigene Interessen in der Region, die nicht unbedingt zur Stabilisierung beitragen würden. Zu denen zählt auch der Konflikt mit dem Emirat Katar, das gemeinsam mit dem Bündnispartner Türkei am Horn von Afrika diplomatisch und militärisch aktiv ist. "Die Gefahr ist groß, dass sich hegemoniale Auseinandersetzungen des Nahen und Mittleren Ostens in Afrika reproduzieren", sagt Heibach.

Gleichzeitig zeichnen sich aber auch schon neue Konfliktlinien ab. So hat China bereits 2017 einen Marinestützpunkt in Dschibuti eingeweiht. Die erste ausländische Militärbasis der Volksrepublik liegt damit in direkter Nachbarschaft zu Stützpunkten der Türkei, der USA, Italiens, Japans und des ehemaligen Kolonialherren Frankreich.