Den Haag/Gaza. Neun Jahre nach der Erstürmung eines Schiffs mit Hilfsgütern vor dem Gazastreifen hat das Internationale Strafgericht (IStGH) doch noch ein Ermittlungsverfahren gegen Israel ermöglicht. Berufungsrichter des Strafgerichtshofes ordneten am Montag in Den Haag eine Überprüfung des Falles an. Chefanklägerin Fatou Bensouda muss nach diesem Urteil ihre zuvor getroffene Entscheidung gegen ein Verfahren überdenken.

Die Richter setzten ihr dafür eine Frist bis zum 2. Dezember.

Der Fall hat einen internationalen Aufschrei verursacht und die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei nachhaltig beeinträchtigt.

Israelische Soldaten hatten im Mai 2010 die Fähre "Marvi Marmara" mit Hilfsgütern aus der Türkei vor dem Gazastreifen geentert. Dabei waren zehn Türken getötet worden. Bensouda hatte den Vorfall zwar als mögliches Kriegsverbrechen eingestuft, aber ein Ermittlungsverfahren gegen Israel abgelehnt.

Die sogenannte Gaza-Flotte wollte damals mit acht Schiffen die israelische Blockade vor dem Gazastreifen durchbrechen und der palästinensischen Bevölkerung Hilfsgüter bringen. Der Militäreinsatz hatte international Empörung ausgelöst.

Die "Marvi Marmara" fuhr unter der Flagge der Komoren. Der Inselstaat gehört dem Strafgerichtshof an und hatte gegen die Entscheidung der Anklage Berufung eingelegt. Weder Israel noch die Türkei sind Vertragsstaaten des Gerichtes. (apa/dpa)