Harare. Der langjährige Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe, ist im Alter von 95 Jahren verstorben. Das teilte Mugabes Nachfolger, Präsident Emmerson Dambudzo Mnangagwa Freitagfrüh via Twitter mit. Mugabe sei in Singapur gestorben, berichtete Reuters. Mnangagwa würdigte Mugabe  als "Unabhängigkeitsikone" und als "Panafrikaner".

"Mit größter Traurigkeit gebe ich den Tod des Gründungsvaters Simbabwes und ehemaligen Präsidenten, Kommandant Robert Mugabe, bekannt", so Mnangagwa. Mugabe habe sein Leben der Befreiung seines Volkes gewidmet habe. "Sein Beitrag zur Geschichte unseres Landes und unseres Kontinents wird niemals vergessen werden", fügte er hinzu. "Möge seine Seele in Frieden ruhen."

Laut Reuters starb Mugabe in Singapur. Dort hatte er sich bereits während der vergangenen Wochen für medizinische Behandlungen aufgehalten. Bereits im November vergangenen Jahres hatte Mnangagwa über die Verschlechterung von Mugabes Gesundheitszustand gesprochen und mitgeteilt, dass Mugabe nicht mehr gehen könne. Es gab allerdings keine offiziellen Angaben, woran er erkrankt war.


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"The Herald": Former President Mugabe dead
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Mugabe war 2017 nach 37 Jahren an der Macht gestürzt worden, er hatte das südafrikanische Land mit harter Hand regiert.

Vom Freiheitskämpfer zum Despoten

Während seiner fast vier Jahrzehnte an der Macht entwickelte sich Mugabe vom Freiheitskämpfer und weltweit respektierten Hoffnungsträger zu einem geächteten Despoten, der sein Land heruntergewirtschaftet hat. Mugabes Verdienste im Kampf gegen das weiße Minderheitsregim und für die Einführung der Demokratie 1980 sind unbestritten. Doch er wurde immer machthungriger und verlor den Blick für die Probleme der Menschen. Aus der Kornkammer des südlichen Afrikas wurde ein verarmtes, hungriges Land. Die Infrastruktur verfiel, die Währung kollabierte, Hunderttausende flohen.

Bewunderer wenden sich ab 

Der Mann mit dem kuriosen Zahnbürsten-Bärtchen und den großen Brillengestellen klammerte sich mit der Zeit immer brutaler an die Macht. Pressefreiheit und Opposition ließ er nach Kräften unterdrücken. Als gewiefter Taktiker bemühte er auch immer wieder das (weiße) Ausland, um einen Schuldigen für die magere Bilanz seiner Regierung zu finden.

Seine frühen Bewunderer waren schwer enttäuscht. Der frühere südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu, der für seinen Einsatz gegen die Apartheid 1984 den Friedensnobelpreis erhalten hatte, bezeichnete Mugabe vor wenigen Jahren als Karikatur eines afrikanischen Despoten.

Kolonialismus

Mugabe engagierte sich bereits Anfang der 1960er Jahre im politischen Kampf gegen das rhodesische Siedlerregime. Dafür musste er zehn Jahre lang im Gefängnis schmoren. Nach seine Haftentlassung 1974 ging er ins Nachbarland Mosambik und wurde schnell einer der bedeutendsten Guerillaführer im Kampf gegen das weiße Regime von Regierungschef Ian Smith. Nach Jahren des Guerillakampfes gewann Mugabes Partei 1980 die Parlamentswahlen, er wurde Premierminister, 1982 auch Präsident.

Der stets elegant gekleidete Intellektuelle und brillanter Rhetoriker verblüffte Freund und Feind zunächst mit einem auf Ausgleich zwischen Schwarz und Weiß zielenden Versöhnungskurs. Die Wirtschaft wuchs, die Regierung investierte erfolgreich ins Gesundheits- und Bildungswesen. Die Alphabetisierungsrate stieg rasant. Mugabe sorgte für ein - bis heute anhaltendes - Klima, in dem gute Bildung von allen Familien als Priorität betrachtet wird. Damit war er für viele der Archetyp eines erfolgreichen und modernen afrikanischen Regierungschefs.

Enteignung weißer Landwirte

Doch Machtkämpfe focht Mugabe skrupellos aus. Zudem setzte der Angehörige der dominanten Volksgruppe der Shona schon bald das Militär gegen die Minderheit der Ndebele ein. Bei Massakern in der Region Matabeleland wurden von 1982 bis 1987 Tausende Ndebele getötet.

Mit einem Beschluss zur Enteignung weißer Landwirte brach Mugabe Ende der 90er Jahre mit der Politik der Versöhnung gegenüber Weißen. 1999 wurden über 800 Großfarmer entschädigungslos enteignet. Mugabes Anhänger besetzten Tausende Farmen, zahlreiche weiße Landwirte und Familienmitglieder wurden getötet. Viele Farmen wurden an Verbündete Mugabes gegeben, die keine Erfahrung mit Landwirtschaft hatten, oder an überforderte schwarze Kleinbauern. Die Produktion von Mais und Tabak brach rasant ein. Das löbliche Ziel, die ungerechte Landverteilung zu verbessern, wurde der Sargnagel der Wirtschaft.

Mugabe trat 2017 ab. Denn Mithilfe des Militärs hatte Emmerson Mnangagwa, einer seiner langjährigen Gehilfen, den Machtkampf um dessen Nachfolge gewonnen und seinen früheren Mentor zum Rücktritt gezwungen. (apa, red)