Hongkong. Trotz Zugeständnissen der Regierung ist es in Hongkong am Wochenende erneut zu Protesten für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gekommen. Zehntausende Demonstranten zogen am Sonntag zum US-Konsulat in der chinesischen Sonderverwaltungszone, um für Unterstützung der Amerikaner zu werben. Demonstranten trugen die US-Flagge, auch die Nationalhymne der USA war zu hören.

Die Demonstranten forderten US-Präsident Donald Trump auf, die von China regierte Stadt zu "befreien". Sie forderten überdies, dass der US-Kongress einem jüngst vorgelegten Vorschlag folgt, die Protestbewegung in Hongkong ausdrücklich zu unterstützen. "Ich denke, abgesehen von ausländischen Ländern kann uns niemand wirklich helfen", sagte die 30-jährige Demonstrantin Jenny Chan der Nachrichtenagentur AFP. Die chinesische Regierung verbittet sich allerdings eine Einmischung des Auslands in ihre Hongkong-Politik.

Zuvor hatten Demonstranten am Samstag Einkaufszentren sowie U-Bahn-Stationen besetzt, wobei es auch zu Zusammenstößen mit der Polizei der chinatreuen Regierung kam.

Allerdings gab es zunächst deutlich weniger Gewalt als am vergangenen Wochenende, als die frühere britischen Kronkolonie die bisher wohl schwersten Ausschreitungen im Zuge der seit drei Monaten andauernden regierungskritischen Proteste erlebt hatte.

Auslieferungs-Gesetz gänzlich zurückgezogen

Als Zeichen der Entspannung in Richtung der Protestbewegung hatte Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam am Mittwoch den Entwurf für ein umstrittenes Gesetz für Auslieferungen nach China komplett zurückgezogen, das die Proteste ursprünglich ausgelöst hatte. Mit dem formellen Rückzug erfüllt Lam eine Hauptforderung der Demonstranten. Aktivisten machten aber deutlich, dass ihnen das nicht reicht.

Zu weiteren Forderungen der Demonstranten gehören der Rücktritt der Regierungschefin, eine unabhängige Untersuchung übermäßiger Polizeigewalt, die Freilassung von Festgenommenen und eine Rücknahme des Vorwurfs des "Aufruhrs", sowie politische Reformen und wirklich freie Wahlen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte zum Abschluss ihres China-Besuches erneut ihre Hoffnung, dass die Konflikte in Hongkong friedlich gelöst werden. Merkel sagte am Samstag in Wuhan, alles andere wäre aus ihrer Sicht "eine Katastrophe". Man habe ihr bei diesem Thema in Peking "zugehört". Es sei wichtig, immer wieder im Gespräch zu bleiben.