Kabul. (dpa) US-Präsident Donald Trump hat keine Berührungsängste vor Menschen mit Blut an den Händen, solange es seinen Zielen nutzt. Das hat er etwa bei seinen Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un bewiesen. Selbst für Trumps Verhältnisse wäre das in Camp David geplante Geheimtreffen aber spektakulär gewesen: Im Landsitz des Präsidenten wollte er am Sonntag nach seinen Angaben mit führenden Taliban-Vertretern zusammenkommen, nur drei Tage vor dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001. Im letzten Moment sagte Trump nicht nur das Treffen ab, sondern auch die seit langem andauernden Verhandlungen mit den Taliban.

Abzug nach 18 Jahren

Seit Juli vergangenen Jahres bemüht sich US-Chefunterhändler Zalmay Khalilzad um ein Abkommen mit den radikalislamischen Aufständischen, um den US-Truppen nach bald 18 Jahren einen Abzug aus Afghanistan zu ermöglichen und den Weg für Frieden zu bereiten. Trump hat versprochen, die "endlosen Kriege" der USA zu einem Abschluss zu bringen. Im Irak ist ihm das nicht gelungen, auch sein Versprechen, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen, konnte er nicht halten. Auch der längste Krieg in der Geschichte der USA - jener am Hindukusch - zieht sich hin. Kaum ein Tag vergeht ohne Anschläge der Taliban.

Nach neun mühsamen Verhandlungsrunden kündigte Khalilzad vergangene Woche an, man habe eine "grundsätzliche" Einigung mit den Taliban erreicht. Trump hätte das Abkommen nun in Camp David besiegeln können. Auch der afghanische Präsident Ashraf Ghani - dessen Regierung die Taliban von den Verhandlungen ausschlossen - war dort erwartet worden. Um kurz vor 19 Uhr am Samstagabend schickte Trump dann eine Reihe von Tweets in die Welt: Das Treffen werde nicht stattfinden, auch die Verhandlungen seien abgesagt - offen blieb zunächst, ob vorläufig oder endgültig.

Trump begründete die Absage damit, dass die Taliban versuchten, ihre Verhandlungsposition durch Gewalt zu stärken. Konkret nannte er einen Anschlag am vergangenen Donnerstag in Kabul mit zwölf Toten, darunter ein US-Soldat. Auch weitaus schwerere Anschläge hatten zuvor allerdings nicht zu einem Ende der Verhandlungen geführt.

Nebulöses Abkommen

Entweder wollte Trump mit der Absage den Druck auf die Taliban erhöhen, US-Außenminister Mike Pompeo schloss eine mögliche Wiederaufnahme der Gespräche am Sonntag im Sender CNN jedenfalls nicht aus. Oder Trump zog die Notbremse: Das geplante Abkommen war sogar in seinen eigenen Kreisen unter massive Kritik geraten.

Details des Abkommens sind nebulös. Grundsätzlich stellten die USA den Taliban einen Truppenabzug in Aussicht, wenn sich die Aufständischen verpflichten, Terrororganisationen wie der Al-Kaida - Urheber der Anschläge vom 11. September 2001 - keine Zuflucht in Afghanistan zu bieten. Erst nach dem Abkommen mit den USA sollten die Taliban Verhandlungen mit der gewählten afghanischen Regierung aufnehmen. Eine landesweite Waffenruhe war nicht vorgesehen.