Washington. US-Präsident Donald Trump dementiert regelmäßig, dass in seiner Regierung Chaos herrsche. Die Abläufe am Dienstag trugen nicht dazu bei, Trumps Beteuerungen zu stützen. Um 11.00 Uhr (Ortszeit) kündigte die Pressestelle des Weißen Hauses an, Trumps Nationaler Sicherheitsberater John Bolton werde gemeinsam mit Außenminister Mike Pompeo und Finanzminister Steven Mnuchin vor die Medien treten.

Keine Stunde später - um 11.58 Uhr - teilte Trump auf Twitter mit, er habe Bolton wegen Meinungsverschiedenheiten gefeuert: "Seine Dienste werden im Weißen Haus nicht mehr gebraucht." Einer fehlte daraufhin bei der Pressekonferenz im Weißen Haus: John Bolton.


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Hang zu militärischen Interventionen

John Bolton gilt als außenpolitischer Hardliner und Scharfmacher. 
    - © APAweb / AFP, GAPON
John Bolton gilt als außenpolitischer Hardliner und Scharfmacher. 
 
 
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Der Mann mit dem Walross-Schnauzer und dem Siegelring ist ein Hardliner, dem ein Hang zu militärischen Interventionen nachgesagt wird. Während der Regierungszeit von Präsident George W. Bush war er einer der glühendsten Verfechter des Irak-Kriegs - eine Entscheidung, die Trump regelmäßig als großen Fehler bezeichnet. Bolton ist seit jeher umstritten. Als Bush Bolton 2005 für den Posten des amerikanischen UN-Botschafters nominierte, wandten sich mehr als 100 US-Diplomaten in einem offenen Brief gegen diese Wahl. Auch in der Regierung von Trump blieb Bolton seinem Hardliner-Kurs aber treu.

US-Medien berichteten immer wieder über Differenzen zwischen Bolton und Trump, aber auch zwischen Bolton und Pompeo. Trump ist zwar ein Mann der harten Worte, will die "endlosen Kriege", in die die USA verstrickt sind, dennoch lieber heute als morgen beenden. Auch Pompeo ist nicht gerade für seinen sanften Kurs bekannt, geriet aber trotzdem immer wieder mit Bolton aneinander. Der US-Sender CNN berichtete erst am vergangenen Freitag, das Verhältnis zwischen Bolton und Pompeo habe einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die beiden hätten über Wochen hinweg nicht miteinander gesprochen.

Verhandlungen mit den Taliban

Zuletzt meldeten US-Medien, Bolton und Pompeo hätten sich beim Thema Afghanistan überworfen. Unter Pompeos Führung verhandelt US-Chefunterhändler Zalmay Khalilzad seit Monaten mit den radikalislamischen Taliban, das Ziel: ein Abkommen, das den Weg für den Abzug der US-Truppen und für Frieden bereitet. CNN berichtete, Khalilzad sei nach Boltons Ansicht zu sehr auf die Taliban zugegangen. Trump sagte ein für vergangenen Sonntag geplantes Treffen mit Taliban-Vertretern in Camp David zwar ab und erklärte die Gespräche für "tot". Boltons Job konnte das aber nicht mehr retten.