Tel Aviv/Wien. An den Kräfteverhältnissen in Israels Parteienlandschaft hat sich seit der letzten Wahl im April laut Umfragen nicht viel geändert. Trotzdem wird am 17. September erneut gewählt. 120 Sitze in der Knesset stehen zur Disposition und Beobachtern zufolge wird es wie im April ein knappes Rennen zwischen dem Rechtsblock von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dem Zentrums-Bündnis von Ex-Militärchef Benny Gantz.

Drei Monate sind vergangen, seit dem sich das israelische Parlament nach nur einem Monat wieder aufgelöst hatte, weil es Netanjahu nicht gelungen war, innerhalb einer sechswöchigen Frist eine tragfähige Koalition zu schmieden. Seither hat sich scheinbar wenig getan - die Umfrageergebnisse sind fast statisch, weiterhin liegen Netanjahu und Gantz gleichauf. Laut "Haaretz" kommt Likud (Zusammenschluss), die rechtskonservative Partei Netanjahus, auf 32 Mandate und Gantz’ "Blau-Weiß" ebenfalls auf 32 Mandate.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Gemeinsam mit rechten und ultraorthodoxen Parteien könnte Netanjahu auf 56 (von insgesamt 120) Sitzen in der Knesset kommen. Der Mitte-links-Block inklusive Blau-Weiß kommt nur auf 43 Sitze. Zählt man die arabischen Parteien der gemeinsamen Liste ("Vereinigte Liste") dazu, sind es 53 Sitze.

Lieberman auf Distanz zu Netanjahu

Zum Königsmacher könnte damit erneut der frühere Außen- und Verteidigungsminister Avigdor Lieberman und seine ultrarechte Partei "Unser Haus Israel (Yisrael Beiteinu) werden. Ideologisch zum Rechtsblock gehörend, ging er aber zuletzt auf Distanz zu Netanjahu. Lieberman weigerte sich zuletzt, den Langzeitregierungschef zu unterstützen - zumindest nicht in einer religiös dominierten Regierung. Ohne seine Mandate geht sich allerdings eine Koalition von Rechten und Religiösen nicht aus. Das ist doppelt bitter für Netanjahu, kann doch Liebermann Umfragen zufolge mit einer Verdopplung seiner Parlamentssitze (von 5 auf bis zu 11) rechnen.

Die Variante einer "Großen Koalition" aus den Bündnissen Gantz’ und Netanjahus war bisher undenkbar, hatte Gantz die Zusammenarbeit mit Netanjahu doch gänzlich ausgeschlossen. Doch auch die Kooperation mit den arabischen Parteien ist nicht Gantz’ bevorzugte Option. Nur: Will er regieren, ist er mit ziemlicher Sicherheit auf die Unterstützung der Liste angewiesen, die laut Umfragen auf 10 Sitze kommt. Dies entspricht dem Mandatsstand der Parteien Hadash-Taal und Raam-Balad, die bei der Wahl im April getrennt angetreten waren.