Caracas. (klh/apa) Kolumbien und Venezuela befinden sich in einem Zustand permanenter Spannung. Diplomatische Beziehungen unterhalten die beiden südamerikanischen Nachbarländer keine, Kolumbiens Präsident Ivan Duque steht politisch rechts, Venezuelas Staatschef Nicolas Maduro ganz weit links. Manchmal bestehen diese Spannungen unterschwellig, manchmal brechen sie offen aus.

Nun sind sie wieder einmal offen und deutlich ausgebrochen. Das zeigt sich an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela in der Form von zehntausenden venezolanischen Soldaten, die Präsident Maduro dorthin entsandt hat. Sein Land hält eine Militärübung ab. "Alle Verteidigungssysteme kommen zum Einsatz, um Frieden und Ruhe für das venezolanische Volk zu garantieren", schrieb Maduro auf Twitter. An dem Manöver, das bis zum 28. September dauert, sollen 150.000 Soldaten teilnehmen.

Maduro hatte Kolumbien in der vergangenen Woche vorgeworfen, einen "militärischen Konflikt" provozieren zu wollen. Kolumbien bezichtigt wiederum Venezuela, Rebellen der linksradikalen Guerillaorganisation Farc zu unterstützen, die den bewaffneten Kampf gegen den kolumbianischen Staat wieder aufgenommen haben.

Was die Lage noch komplizierter macht: Maduro und Duque sind nicht die einzigen Akteure bei diesem Säbelrasseln. Eine wichtige Rolle spielt auch der venezolanische Oppositionsführer Juan Guaido, der sich selbst zum Präsidenten erklärt hat. Dieser hat enge Bande nach Kolumbien und wird von den USA unterstützt. Immer wieder wird darüber spekuliert, dass ihm die Vereinigten Staaten militärisch zu Hilfe kommen könnten.

Die USA haben nun auch wieder ordentlich auf sich aufmerksam gemacht: Washington hat ein Militärbündnis aktiviert, dem neben den Vereinigten Staaten zehn Länder der Region angehören. Die Entscheidung sei auf Bitten der venezolanischen Opposition und angesichts von "kriegslüsternen Aktionen der venezolanischen Armee" unter Präsident Maduro gefallen, erklärte US-Außenminister Mike Pompeo. Außerdem lasse Maduro "illegale bewaffnete Gruppen und terroristische Organisationen" auf seinem Staatsgebiet gewähren.

Damit spitzt sich die Lage bedrohlich zu. Beobachter warnen nämlich, dass ein kleiner Zwischenfall an der Grenze genügen könnte, um eine Spirale der Gewalt in Gang zu setzen.

Vor allem Maduro kommt unter Druck. Denn der Konflikt mit Kolumbien mag ihm zwar innenpolitisch gelegen kommen, um die eigenen Reihen angesichts der Wirtschaftskrise, die schon rund vier Millionen Venezolaner aus dem Land fliehen hat lassen, zusammenhalten. Ihm kann aber angesichts der - vor allem von den USA verkörperten - militärischen Übermacht der Gegenseite nichts daran liegen, dass es tatsächlich zu einem bewaffneten Konflikt kommt.