Vergangenen Samstag, 3.31 Uhr saudischer Zeit, bekam die Welt einen kleinen Vorgeschmack auf das, was unter moderner Kriegsführung zu verstehen ist: Anlagen des staatlichen saudischen Ölkonzerns Aramco wurden von mehreren heftigen Detonationen erschüttert, Brände brachen aus. Satellitenbilder der Nasa und ESA zeigten mehrere riesige schwarze Rauchfahnen, die sich bis zu 150 Kilometer weit über Saudi-Arabien erstreckten.

Das Herz der Erdöl-Industrie war von unbemannten Flugrobotern, Drohnen, angegriffen worden. Es ist nicht völlig geklärt, ob diese mit Bomben bestückten Maschinen im Bürgerkriegsland Jemen gestartet sind oder direkt aus dem Iran kamen. Die Folgen waren dramatisch, der Ölpreis schoss in die Höhe, Experten warnen, dass es Monate brauchen wird, um die Schäden zu reparieren.

Auch China testet

Tatsache ist, dass sowohl die jemenitischen Houthi-Rebellen als auch der Iran über Drohnen verfügen, die eine Reichweite von bis zu 1000 Kilometern haben. Unbestritten ist auch, dass die gegen die Saudis eingesetzten Maschinen primitiv sind im Vergleich zu dem, was derzeit in US- und chinesischen Forschungseinrichtungen entwickelt wird. Hier ist man fieberhaft bemüht, autonome, "intelligente" Flugroboter zu entwickeln. Diese Maschinen werden nicht mehr von Menschen gesteuert, sie treffen Entscheidungen selbständig.

Die US-Kampfdrohne X47B ist laut Militärexperten in der Lage, ohne Befehle Urteile zu fällen. Herkömmliche Drohnen seien automatisierte Geräte, die nur das täten, was der Operator ihnen sage, wird die Ex-Pilotin Missy Cummings von der amerikanischen Duke University im Deutschlandfunk zitiert. Der X47B könne man aber sagen: "Gehe auf diese Mission, finde den Bösewicht, töte ihn. Und ich will nichts von Dir hören, bis Du wieder zurück bist." Die X47B mit einer Flügelspannweite von rund acht Metern kann ohne Pilot von einem Flugzeugträger abheben, dringt eigenständig in gegnerisches Territorium ein und trifft dort auf Basis ihrer Beobachtungen Entscheidungen. Derartiges Gerät gibt es auch als Minipanzer oder kleines U-Boot.

Künstliche Intelligenz in schauriger Verpackung also. Realität gewordene Science Fiction. Verfechter dieser neuartigen Systeme weisen darauf hin, dass auf Seite derer, die über diese Systeme verfügen, keine Verluste an Menschenleben mehr zu beklagen wären. Zudem sei menschliches Versagen ausgeschlossen.

In China ist man längst auf den Zug aufgesprungen und denkt dabei in ganz andere Richtungen. So hat die Nationale Verteidigungsuniversität die Maschine "Anbot" entwickelt, einen elektronischen Polizisten. Es handelt sich um einen weißen Roboter mit blauem Leuchtstreifen, 1,49 Meter groß, 78 Kilo schwer, bis zu 18 Stundenkilometer schnell. Der Akku hält acht Stunden, dann sucht sich der Roboter selbständig eine Steckdose. "Anbot" geht auf Streife und nimmt dabei seine Umgebung per intelligenter Videoanalyse wahr. Wehren kann er sich mit einem eingebauten Elektroschocker.

Das Unbehagen wächst

Bei Kampfrobotern, die sich am Boden bewegen, gibt es immerhin noch einige Probleme zu bewältigen. Etwa, dass sie nach derzeitigem Stand zu sehr auf ein "kooperatives Umfeld" angewiesen sind. Trotzdem steigt das Unbehagen. Immer wieder tun sich Wissenschafter zusammen und fordern eine Ächtung von "Killerrobotern". Auch auf UN-Ebene wird über mögliche Schranken für deren Einsatz verhandelt. Gewarnt wird vor einem neuen globalen Rüstungswettlauf. Auch, so heißt es, könnten intelligente Waffen leicht in die Hände von Terroristen fallen.