Jerusalem. Nach der Parlamentswahl in Israel hat Ministerpräsident Benjamin Netanjahu seinen größten Rivalen Benny Gantz zur Bildung einer Einheitsregierung aufgerufen. Die Ergebnisse zeigten, dass er die von ihm im Wahlkampf versprochene rechtsgerichtete Regierung nicht bilden könne, begründete Netanjahu am Donnerstag seinen überraschenden Strategiewechsel.

"Benny, wir müssen eine breite Einheitsregierung aufstellen." Dies müsse möglichst noch im Laufe des Tages geschehen. "Die Nation erwartet von uns, von uns beiden, Verantwortung zu zeigen und dass wir zusammenarbeiten."

Netanjahu schlägt Rotationsprinzip vor

Netanjahu schlug  dabei eine Rotation im Amt des Regierungschefs vor. Bei einer Gedenkzeremonie für den 2016 verstorbenen früheren Ministerpräsidenten und Staatspräsidenten Shimon Peres erinnerte er an den Deal, den der Chef der Arbeitspartei mit dem Konservativen Yitzhak Shamir geschlossen hatte. Die beiden hatten sich zwischen 1984 und 1988 die Amtsperiode des Regierungschefs geteilt .

Einer Koalitionsregierung bei der Netanjahu - wenn auch nur zeitweise - an der  Spitze steht, hat Mosche Jaalon, einer der ranghöchsten Vertreter von Gantz' Bündnis Blau-Weiß, allerdings umgehend eine Absage erteilt. Gantz selbst erklärte, er wolle zwar eine Einheitsregierung bilden, diese aber auch selbst dauerhaft anführen.

Aus der Wahl am Dienstag ging Medienberichten zufolge kein klarer Sieger hervor. Stattdessen zeichnete sich wie schon im April ein Patt zwischen Netanjahus konservativen Likud-Block und dem in der politischen Mitte angesiedelten Bündnis Blau-Weiß von Gantz ab.

Blau-Weiß hatte eine hauchdünne Mehrheit vor dem Likud. Allerdings haben weder das rechts-religiöse noch das Links-Mitte-Lager eine Mehrheit von 61 der 120 Sitze im Parlament zur Regierungsbildung. Nach Auszählung fast aller Stimmen kommt Blau-Weiß auf 33 Mandate, der Likud auf 31. (apa, reuters, dpa)