Tunis. Tunesiens Ex-Langzeitherrscher Zine el Abidine Ben Ali ist 83-jährig im saudischen Exil gestorben. Sein Anwalt bestätigte entsprechende tunesische Medienberichte. Ben Ali war der erste Herrscher, der im Zuge der arabischen Aufstände 2011 gestürzt wurde. Er war zuletzt in ein saudisches Krankenhaus eingeliefert worden. Sein Zustand wurde als kritisch bezeichnet.

Aus bescheidenen Verhältnissen stammend

Ben Ali wurde in der östlichen Stadt Hammam-Sousse in eine bescheidene Familie geboren, als Tunesien noch ein französisches Protektorat war. Bei der Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1956 war er 19 Jahre alt. Nach seiner Militärausbildung in Frankreich und den USA wechselte er zum Armeegeheimdienst. 1985 zum Minister für nationale Sicherheit ernannt, wurde er 1986 Innenminister und Anfang 1987 Regierungschef. Seinen Vorgänger als Staatschef, den früheren Führer im Kampf gegen die Kolonialmacht Frankreich, den despotisch regierenden Habib Bourguiba, erklärte er im November 1987 wegen "Senilität" für abgesetzt. Seitdem führte Ben Ali das nordafrikanische Land mit harter Hand.

Im Oktober 2009 gewann Ben Ali sein fünftes Präsidentschaftsmandat in Folge, allerdings erstmals mit weniger als 90 Prozent der Stimmen. Zwei Jahre später brach dann der Aufstand gegen ihn los. Den Anfang nahmen die Proteste mit der Selbstverbrennung eines arbeitslosen Hochschulabsolventen, der versucht hatte, sich auf dem Markt als Gemüsehändler durchzuschlagen. In den darauffolgenden Wochen gewannen die Demonstrationen gegen den unbeliebten Herrscher immer mehr an Kraft. Ben Ali reagierte zunächst mit dem Einsatz von Militär und Polizei. Die Menschen auf den Straßen ließen sich aber weder von den zahlreichen Toten in ihren Reihen einschüchtern, noch durch Ben Alis späte Zugeständnisse versöhnen. Knapp ein Monat nach Beginn der Proteste trat Ben Ali schließlich zurück und setzte sich nach Saudi-Arabien ab.

Nachsicht im Westen

Während seiner 23-jährigen Amtszeit haben Menschenrechtsorganisationen immer wieder Einschnitte bei Presse- und Meinungsfreiheit sowie Repressalien gegen Oppositionelle und starke staatliche Überwachung kritisiert. Ebenso war die Rede von der Folter politischer Gefangener und fortgesetzter Isolationshaft. Zusammen mit seiner Familie entwickelte er zudem ein kleptokratisches System, das das gesamte Land umfasst. Die wichtigsten Wirtschafts- und Industriezweige und etliche Unternehmen, wurden  dabei von Mitgliedern des Ben-Ali-Clans gelenkt. Laut Transparency International hat die Familie durch Korruption und Betrug bis zu einem Drittel der tunesischen Wirtschaft abgeschöpft.

Tunesiens starker Mann bestritt die Vorwürfe stets und erklärte, in Sachen Demokratisierung folge Tunesien seinem "eigenen Rhythmus" und habe "von niemandem eine Lektion erteilt zu bekommen". Als "Wall gegen den Islamismus" genoss die Ben-Ali-Regierung lange Zeit auch einen gewissen Bonus bei westlichen Demokratien - auch wegen wirtschaftlicher Erfolge und wegen der Millionen Touristen, die das Land jedes Jahr aufsuchen.

 

Den Übergang zur Demokratie geschafft

Tunesien ist das einzige arabische Land, das nach dem Arabischen Frühling den Übergang in die Demokratie geschafft hat. Bei den letzten Präsidentenwahlen am Sonntag ging der Jus-Professor Kaïs Saïed als vorläufiger Sieger hervor. Er muss nun gegen den inhaftierten Medienmogul Nabil Karoui antreten. (dpa, rs)