Seit die internationale Staatengemeinschaft den Klimaschutz mit dem Beschluss des Kyoto-Protokolls vor knapp 20 Jahren erstmals zu einem globalen Thema gemacht hat, ist der Druck zum Handeln wohl noch nie so groß gewesen. So zeigen nicht nur die aktuellen Klimastatistiken, laut denen der heurige Juni und Juli die jeweils heißesten Monate sei Beginn der Messgeschichte waren, sehr deutlich, dass die sukzessive Aufheizung des Planeten bereits ein Problem des Jetzt und Hier und nicht erst der kommenden Jahrzehnte ist. Das Thema ist mittlerweile auch in den Köpfen und Herzen der Menschen angekommen. So mobilisiert die 16-jährige schwedische Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg weltweit Millionen von Jugendlichen, die im Rahmen der "Fridays for Future"-Bewegung auf die Straße gehen. Und in Deutschland, aber auch zunehmend in anderen Ländern, treiben die Grünen die einstigen Großparteien vor sich her.

Neue Zusagen erhofft

Die Erwartungen sind also hoch, wenn am Montag in New York Vertreter von mehr als 60 Staaten zum UN-Klimagipfel zusammenkommen. Und vor allem für die anwesenden Staats- und Regierungschefs, darunter unter anderem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Indiens Premierminister Narendra Modi, dürfte die eintägige Veranstaltung im Vorfeld der UN-Generaldebatte zum entscheidenden Test dafür werden, wie ernst sie es mit ihren Klimaschutzambitionen tatsächlich meinen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der den Klimaschutz zu einem seiner zentralen Themen gemacht hat und in New York als Gastgeber fungiert, hofft darauf, dass die Staaten am Montag ihre bisherigen Klimaschutzpläne noch einmal deutlich nachbessern. Denn die bei und nach der historischen Klimaschutzkonferenz von Paris gemachten Zusagen reichen bei weitem nicht, um die Erderwärmung auf ein noch verträgliches Maß zu begrenzen. So steuert der Planet derzeit eher auf ein Temperaturniveau von plus drei Grad im Jahr 2100 zu und nicht auf jene 2 oder noch besser 1,5 Grad, die die Wissenschaft als entscheidende Zielmarke betrachtet, um katastrophale Klimaschäden noch abzuwenden. "Wir sind dabei, den Kampf gegen den Klimaschutz zu verlieren", warnte Guterres bereits im Vorfeld des Gipfels. "Wir bauchen jetzt keine Reden, sondern konkrete Pläne."

Die Hoffnungen liegen dabei vor allem auf Europa, das nach der teilweisen Stagnation der vergangenen Jahre wieder eine globale Vorreiterrolle einnehmen könnte. So will nicht nur Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Klimaschutz energisch vorantreiben. Auch in Deutschland, wo am Freitag ein umfassendes Klimaschutzpaket mit einem Volumen von 50 Milliarden Euro beschlossen wurde, hat Kanzlerin Merkel das Thema in ihrer vierten Amtszeit Schritt für Schritt wieder für sich entdeckt. Viel versprochen hat zudem die designierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Sie hat den Klimaschutz zu einer Priorität ihrer Arbeit gemacht und will Europa zum ersten CO2-neutralen Kontinent der Welt machen. Der Niederländer Frans Timmermans soll dafür als Super-Vizepräsident einen "Europäischen Green Deal" ausarbeiten.

Schwellenländer als Unbekannte

Noch nicht absehbar ist dagegen, wie sich die großen Schwellenländer China und Indien in New York positionieren werden. So steht die Volksrepublik in der Kritik, weil sie nach wie vor massiv in Kohlekraftwerke investiert und diese Technologie im Rahmen der Initiative zur Neuen Seidenstraße auch zunehmend exportiert werden könnte. Gleichzeitig fließt aber nirgendwo sonst auf der Welt so viel Geld in Erneuerbare Energie wie in China. Dass die Führung in Peking, für die die Umweltverschmutzung schon jetzt ein gewaltiges Problem darstellt, beim Gipfel konkrete neue Zusagen macht, ist also zumindest nicht unmöglich.

Als ausgeschlossen gilt dagegen, dass sich die USA, nach China der zweitgrößte Klimasünder der Welt, in New York zu größerem Engagement verpflichten. So schickt Präsident Donald Trump, der 2017 den Austritt seine Landes aus dem Pariser Klimaabkommen auf den Weg gebracht hat, mit Marcia Bernicat lediglich eine Abteilungsleiterin des Außenministeriums zum Gipfel. Hoffnung gibt es aus Sicht von Umweltschützern aber dennoch. Denn neben zahlreichen US-Unternehmen wollen sich mit New York und Los Angeles am Montag auch zwei große US-Städte zu mehr Klimaschutz verpflichten.