Todeszonen im Meer

Der Anstieg des Meeresspiegels ist aber bei weitem nicht die einzige Gefahr, die die mehr als 100 beteiligten Wissenschafter im Sonderbericht des IPCC detailreich beschreiben. Denn die Weltmeere, die rund ein Viertel der vom Menschen erzeugten Treibhausgase speichern, werden infolge der massiven Zunahmen von klimaschädlichen Emissionen nicht nur wärmer, sondern auch saurer und salzhaltiger. So ist die Sauerstoffkonzentration in den Meeren in den vergangenen 60 Jahren bereits um zwei Prozent zurückgegangen, bis 2100 erwartet der IPCC einen Rückgang um weitere drei bis vier Prozent.

Vor allem für die Tierwelt dürfte diese Entwicklung dramatisch sein. So warnen die IPCC-Experten vor regelrechten Todeszonen, in denen es keinen Sauerstoff mehr gibt. Meeresbewohner vom Plankton bis zu großen Fischen und Meeressäugern müssten sich dann neue Lebensräume suchen. Schon jetzt werde die hochspezifische arktische Tierwelt in einigen Regionen zurückgedrängt, sagt der Meeresbiologe Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut im deutschen Bremerhaven. Ortsgebundene Lebewesen wie Korallen droht laut dem IPCC vielerorts sogar die Auslöschung. So gehen die Wissenschafter davon aus, dass selbst bei einem Temperaturanstieg um 1,5 Grad 90 Prozent der besonders sensibel auf Umwelteinflüsse reagierenden Korallen absterben werden. Eine Erwärmung von zwei Grad, wie sie im Pariser Klimaabkommen als Obergrenze definiert wurde, wäre sogar das Todesurteil für die Korallenriffe, die nicht nur als Lebensraum für zahlreiche Tiere dienen, sondern auch die Küsten gegen Sturmschäden schützen.

Die 30-seitige Zusammenfassung des aktuellen Sonderberichts waren die Vertreter der IPCC-Staaten in den vergangenen Tagen Zeile für Zeile durchgegangen. Beschlossen wurde das Dokument aber erst nach einer 27-stündigen Verhandlungsrunde am Dienstag. Verantwortlich für diese Marathonsitzung war laut Teilnehmerkreise vor allem Saudi-Arabien. Das Königreich, das zu den weltweit größten Erdölförderern gehört, soll bei vielen Passagen des Textes - unter anderem bei der Feststellung, dass eine Erderwärmung um mehr als 1,5 Grad verheerende und voraussichtlich unumkehrbare Folgen hätte - erbittert Widerstand geleistet haben. (rs)