In Tunesien zeichnet sich kein klarer Ausgang der Parlamentswahl ab. Nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend reklamierte zunächst der inhaftierte Medienunternehmer Nabil Karoui in einer Erklärung den Sieg für seine Partei Herz Tunesiens. Wenig später erklärte aber auch die islamistische Ennahda-Partei, sie sei stärkste Kraft geworden. Ein Sprecher berief sich dabei auf vorläufige Ergebnisse. Karoui führte nicht aus, wie er zu seiner Auffassung des Wahlausgangs gelangte. Beide Parteien hatten im Vorfeld eine gemeinsame Regierung ausgeschlossen.

Die Wahlbeteiligung dürfte gering gewesen sein. Am frühen Nachmittag hatte sie nach Angaben der Wahlkommission bei lediglich 15 Prozent gelegen. Acht Jahre nach der Revolution, die zur Einführung der Demokratie führte und den Arabischen Frühling inspirierte, sind insbesondere viele junge Tunesier enttäuscht von der Politik. Den etablierten Parteien werfen sie Ineffizienz vor, für Unfrieden sorgt besonders die Arbeitslosigkeit, die höher als unter dem im September verstorbenen langjährigen Autokraten Zine El-Abidine Ben Ali ist.

In der ersten Runde der Präsidentenwahl im September hatten sich denn auch mit Karoui und dem parteilosen konservativen Juraprofessor Kais Saied zwei politische Außenseiter durchgesetzt. Der Sieger wird kommenden Sonntag in einer Stichwahl ermittelt. Karoui sitzt wegen Geldwäsche- und Steuerbetrugsvorwürfen in Haft. Er weist alle Vorwürfe zurück. (Reuters)