Idlib/Ankara. Mit Luftangriffen und Artilleriefeuer hat die Türkei am Mittwochnachmittag ihre Militäroffensive gegen kurdische Milizen in Nordsyrien begonnen. Türkische Truppen und mit ihnen verbündete syrische Rebellen sind am Mittwochabend nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Ankara im Nordosten Syriens einmarschiert. Die Bodenoffensive gegen kurdische Kämpfer in der Region habe damit begonnen. Ziel der Operation "Quelle des Friedens" sei es, die Entstehung eines "Terror-Korridors" an der südlichen Grenze der Türkei zu verhindern und in dem Gebiet Frieden zu schaffen, erklärte Präsident Recep Tayyip Erdogan. Der zusammen mit verbündeten syrischen Rebellen gestartete Einsatz richte sich gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und die radikal-islamische IS-Miliz.

In den ersten Stunden nach Beginn des türkischen Angriffs auf die Kurden im Norden Syriens sind nach Berichten von Aktivisten mindestens 15 Menschen getötet worden, darunter acht Zivilisten. Unter den zivilen Opfern seien auch zwei Kinder, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch. Bei den anderen Toten handle es sich um Kämpfer der von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Die Menschenrechtler berichteten zudem von mehr als 40 Verletzten, darunter 13 Zivilisten.

Die Angriffe schienen sich zunächst vor allem gegen zwei, etwa 120 Kilometer von einander entfernt liegende Orte und deren Umland zu richten: Tall Abjad und Ras al-Ain. Ras al-Ain liegt gegenüber dem türkischen Ort Ceylanpinar in der südosttürkischen Provinz Sanliurfa. In Sanliurfa befindet sich die Kommandozentrale für die Offensive. Tall Abjad liegt nahe der türkischen Grenzstadt Akcakale.

Die Luftschläge und das Artilleriefeuer vom Boden begannen gegen 16.00 Uhr Ortszeit. Der Sprecher der SDF, Mustafa Bali, schrieb auf Twitter: "Türkische Kampfflugzeuge haben damit begonnen, Luftangriffe auf zivile Gebiete durchzuführen. Die Menschen in der Region sind in großer Panik." Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von einer Fluchtwelle aus Ras al-Ain und dem Umland. Kurdischen Quellen zufolge baten Ärzte in einem Krankenhaus in der Provinz um Blutspenden für Verletzte.