Trump denkt an Wahlen

Die Kurden sind allerdings ebenfalls kampferprobt und kein leichter Gegner. Es wird ohne Zweifel auch zu türkischen Verlusten kommen. Seit 2016 ist die Türkei bereits zwei Mal gegen die YPG vorgegangen. Die Frage ist unter anderem, ob die Kurden Panzerabwehrsysteme aus den USA besitzen und wenn ja, in welcher Zahl. Bei der türkischen Offensive im syrischen Afrin 2018 wurde mindestens ein türkischer Panzer mit hochentwickelter US-Technologie zerstört.

Auch am Mittwoch sollen Raketen aus Syrien auf türkischem Territorium explodiert sein.

Der US-Präsident denkt bei seinem Manöver in Syrien bereits an die bevorstehenden Wahlen. Er will seinen Anhängern zeigen, dass er in der Lage ist, US-Soldaten aus internationalen Gefahrenzonen nach Hause zu bringen. Im Fall Afghanistan hat das nicht geklappt, jetzt in Syrien vorerst schon. Und die Bilder von den heimkehrenden "Boys" in Uniform sind etwas, was in den USA gut ankommt.

Im Kongress hat Trump mit seiner Initiative für einen Aufschrei der Empörung gesorgt. Der Alleingang des Präsidenten kommt auch bei den Republikanern sehr schlecht an. Die Rede ist von strategischer Kurzsichtigkeit und von Verrat an den Kurden, einst verlässliche Partner im Kampf gegen den IS. Sicher ist, dass die USA bei der Gestaltung der syrischen Zukunft nur noch sehr wenig mitzureden haben werden. Die Initiative ist bereits in den vergangenen Jahren an Russland, die Türkei und den Iran übergegangen, die ihre Interessen bei regelmäßigen Treffen koordinieren.

Juncker verurteilt Türkei

Ein Gegner des türkischen Vorstoßes sitzt mit Präsident Bashar al-Assad in Damaskus. Syrische Medien zitierten aus dem Außenministerium, Syrien sei "entschlossen, die türkische Aggression mit allen legitimen Mitteln zu vereiteln". Damit will man in Damaskus in erster Linie unterstreichen, dass man nach wie vor Anspruch auf das gesamte syrische Territorium stellt. Russland, das auf der Seite Assads in den Krieg eingegriffen hat, warnt ebenfalls vor einem drohenden Flächenbrand in der Region. Der Iran, der das Regime in Damaskus auch mit Kämpfern und Waffen unterstützt, hat die Türkei zur Vorsicht gemahnt.

Deutliche Worte fand Noch-EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Die Türkei solle den Militäreinsatz sofort beenden, dieser werde "nicht zu guten Ergebnissen führen".