Tall Abyad/Akcakale/Teheran. Der Iran hat den "sofortigen Stopp" der türkischen Offensive in Nordsyrien gefordert. Die Islamische Republik äußere ihre "Besorgnis" über die humanitären Folgen des Vorstoßes und fordere "den sofortigen Stopp der Angriffe und den Rückzug der türkischen Militäreinheiten", erklärte das Außenministerium in Teheran.

Der Iran ist ein enger Verbündeter des syrischen Machthabers Bashar al-Assad, der schon am Mittwoch den Einsatz scharf kritisiert hatte.

China rief die Türkei zur "Zurückhaltung" auf und drang auf den "Respekt" der "Souveränität, Unabhängigkeit und territorialen Integrität Syriens". Die Staatengemeinschaft sollte auf eine politische Lösung in dem Bürgerkriegsland hinarbeiten und alles zu vermeiden suchen, was die Situation weiter verkompliziere, sagte der chinesische Außenamtssprecher Geng Shuang vor einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats am Donnerstag.

Breite Kritik und Ablehnung

Deutschland und Frankreich hatten die Sitzung nach dem Beginn der Offensive am Mittwoch beantragt, um über das Vorgehen der Türkei zu beraten. Ankara will nach eigenen Angaben mit dem Einsatz gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) die "terroristische Bedrohung" an ihrer Grenze beseitigen und eine "Sicherheitszone" schaffen, um dort syrische Flüchtlinge aus der Türkei anzusiedeln. International stößt das Vorgehen auf breite Kritik und Ablehnung.

Wegen des Einmarschs der Türkei in Nordsyrien telefonierte der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) am Donnerstag mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu. Maas warnte anschließend im Kurzmitteilungsdienst Twitter, wegen der Offensive drohe ein Wiedererstarken der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS). Bei allem Verständnis für die türkischen Sicherheitsinteressen befürchteten Deutschland und die EU "erhebliche negative Folgen".

Maas hatte den türkischen Vorstoß bereits am Mittwoch "auf das Schärfste" verurteilt. "Die Türkei nimmt damit in Kauf, die Region weiter zu destabilisieren und riskiert ein Wiedererstarken des IS", warnte der Minister. Die türkische Offensive drohe "eine weitere humanitäre Katastrophe sowie neue Fluchtbewegungen zu verursachen". Auch die EU-Kommission und mehrere EU-Mitgliedstaaten äußerten scharfe Kritik an dem Vorgehen Ankaras. (apa, afp, dpa)