Tall Abyad. Die US-Amerikaner gehen, die Russen kommen: Nachdem die GIs die Stadt Manbij in Nordsyrien verlassen haben, ist sofort russisches Militär einmarschiert. "Im Grunde genommen war es eine Übergabe", zitierte das Magazin "Newsweek" einen ranghohen Mitarbeiter im Pentagon. Die USA hätten die Russen bei ihren Eintreffen teilweise unterstützt.

Kein gemeinsamer "Rundgang"

Der Abzug aus Manbij sei ein "schneller Abgang" gewesen, eine Art gemeinsamen "Rundgang" mit den Russen habe es nicht gegeben. Ziel sei es gewesen, mit "so vielen Dingen wie möglich" abzuziehen und dabei "jegliches sensibles Gerät" zu zerstören.

Das für Syrien zuständige Zentralkommando der US-Streitkräfte bestätigte den Bericht auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht. Das russische Verteidigungsministerium teilte der Agentur Interfax zufolge lediglich mit, dass die US-Truppen Manbij in Richtung Irak verlassen hätten. Das russische Militär patrouilliere in der Gegend, hieß es.

Unterdessen leisten die Kurden auch am siebenten Tag der türkischen Offensive in Nordsyrien erbitterten Widerstand: In der Grenzstadt Ras al-Ain gebe es weiter heftige Kämpfe, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag.

Die kurdische Miliz habe in der Nacht in der Nähe der Stadt einen großen Gegenangriff auf die türkischen Truppen und ihre syrischen Verbündeten gestartet. Die YPG-Kämpfer nutzen demnach ein Netzwerk aus Tunneln und Befestigungsanlagen zur Verteidigung. Ein AFP-Reporter auf türkischer Seite bestätigte, dass weiter Gefechtslärm zu hören sei. Mindestens ein weiterer türkischer Soldaten ist bei den Kämpfen getötet worden. Die mit der Türkei verbündeten arabischen Rebellen haben bereits weit mehr als 100 Tote zu beklagen. Auch im Umfeld von Manbij westlich des Euphrat gab es zuletzt Kämpfe zwischen Einheiten des Militärrats der Stadt und den syrisch-arabischen Milizen, die mit der türkischen Armee verbündet sind.

Am Dienstag versuchte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, Befürchtungen zu entkräften, dass die türkische Offensive in Nordsyrien gefangenen Kämpfern der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) die Flucht erlauben werde. "Wir werden sicherstellen, das kein Kämpfer des IS den Nordosten Syriens verlassen kann", versicherte Erdogan in einem Kommentar, der im "Wall Street Journal" veröffentlicht wurde. "Wir sind bereit, mit den Herkunftsländern und den internationalen Organisationen für die Rehabilitation der Frauen und Kinder der ausländischen terroristischen Kämpfer zu kooperieren", schrieb der türkische Präsident.

Granateinschläge auf türkischem Boden

Die Kurden haben zuletzt die Flucht von hunderten Angehörigen von IS-Kämpfern aus einem Lager bei Ain Issa gemeldet. Die Türkei sprach von einer "Desinformationskampagne" und warf der YPG vor, IS-Kämpfer freizulassen, um Chaos zu verbreiten. Auch US-Präsident Donald Trump bezichtigte sie, auf diese Weise die USA in den Konflikt hineinziehen zu wollen.

Regelmäßig schlagen jetzt Granaten aus Syrien auf türkischem Boden ein. Am Dienstag gab es in der Provinz Mardin mindestens zwei Tote und zwölf Verletzte.