Die alte Frage, was wichtiger ist: Sicherheit oder Freiheit.

Wissenschafter arbeiten mit der Polizei zusammen, um Algorithmen zu entwickeln, die Menschenhändler ausfindig machen sollen. Diesen Prozess zu automatisieren klingt einerseits vielversprechend, aber die Herausforderung ist, dass es immer auf den Kontext ankommt. Welche Eigenschaften werden als riskant oder schädlich angesehen? Wie wird der Code programmiert? Es ist oft nicht einfach, Fälle von Menschenhandel von Sexarbeit zu unterscheiden. Wenn das schon im normalen Leben schwer ist, dann ist es das auch im Digitalen. Bei Menschenhandel brauchen wir Daten, wir brauchen Beweise, um zu erkennen, ob die Algorithmen funktionieren und Menschen tatsächlich helfen. Wir stehen erst am Anfang dieser Forschung.

Neue Medien werden genutzt, um Menschen gezielt anzuwerben. Haben sie die alten Strukturen ersetzt?

Technologien verändern die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren, uns vernetzen. Ich warne vor technologischem Determinismus, der Idee, dass Technologien uns Dinge tun lassen, die wir sonst nicht täten. Strategien haben sich verändert, auch in der Rekrutierung von Menschen. In den USA arbeitet die Polizei mit den digitalen Spuren von Rekrutierung in den Sozialen Medien und auf Anzeigenplattformen. Die Herausforderung liegt in der Frage: Handelt es sich um Anwerbung zur Sexarbeit - illegal, aber in beidseitigem Einverständnis? Oder ist es Menschenhandel? Wird jemand freiwillig über eine Grenze geschmuggelt oder ist es Menschenhandel?

Um das herauszufinden, muss man wohl mit den Betroffenen sprechen.

Ja, es geht immer um den Kontext, in jeder sozialen Handlung. Wissenschafter sprechen von "Context Collapse": Neue Medien wie Facebook kümmern sich nicht um den Kontext. Jemand postet etwas, das für seine Freunde gedacht ist, aber auch andere Menschen sehen diesen Post, Fremde, die den Kontext nicht kennen. Soziale Medien planieren den Kontext. Wir müssen deshalb die Hintergründe erforschen.

Wie nutzen Kriminelle Neue Medien, um etwa an Kinder heranzukommen?

In den USA nutzen die Behörden etwa Bilder und E-Mails, die zwischen Erwachsenen und Minderjährigen ausgetauscht werden, als Beweismittel. Kindesmissbrauch, Kinderpornografie und Menschenhandel verschwimmen immer mehr. Sind Menschen, die das Darknet nutzen, um Kinder auszubeuten, dieselben, die mit Kindern handeln? Haben sie unterschiedliche Arten, zu operieren? Die Kategorien fließen ineinander und wir müssen uns fragen, ob wir die richtigen Werkzeuge haben, diesen scheinbar ähnlichen Phänomenen zu begegnen.