US-Vizepräsident Mike Pence wollte am Donnerstag Erdogan treffen. - © APAweb / AFP, Brendan Smialowski
US-Vizepräsident Mike Pence wollte am Donnerstag Erdogan treffen.
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Erdogan zeigte sich von den US-Sanktionen nach außen hin unbeeindruckt. "Über Sanktionen müssen wir uns keine Sorgen machen", sagte er bei seinem Gespräch mit türkischen Medien.

Am Dienstag erhob ein Gericht in New York außerdem Anklage gegen das staatliche türkische Kreditinstitut Halkbank - unter anderem wegen des Vorwurfs, im großen Stil bei der Umgehung von US-Sanktionen gegen den Iran geholfen zu haben. Auch das dürfte der türkischen Regierung wenig gefallen.

Weg erst freigemacht

Die US-Regierung hatte die Türkei bereits vergangene Woche zum Abbruch der Militäroffensive gegen die kurdische YPG-Miliz aufgefordert und den Nato-Partner mehrfach gewarnt. Dabei hatte Trump kurz vor Beginn der Offensive US-Truppen aus der Region abgezogen und damit faktisch den Weg für den Militäreinsatz der Türken frei gemacht - wofür er viel Kritik auch aus den eigenen Reihen bekam.

Am Mittwoch will sich auch der UN-Sicherheitsrat in New York erneut mit dem Nordsyrien-Konflikt befassen. Schon am vergangenen Donnerstag hatten sechs EU-Länder per Mitteilung ein Ende der Offensive gefordert. Der Rat hatte sich aber nicht geschlossen auf eine gemeinsame Mitteilung einigen können.

Russland und Assad statt US-Truppen

Die syrische Armee und die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) lieferten sich unterdessen nordöstlich der Stadt Ain Issa "heftige Gefechte" mit den syrisch-arabischen Milizen, die auf Seiten der Türkei kämpfen, erklärte die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte". Truppen des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad und der verbündeten russischen Armee patrouillierten in Nordsyrien. US-Truppen waren am Dienstag aus dem Ort Manbidsch abgezogen und überließen Assad und Russland das Gebiet. Die syrische Armee habe die "volle Kontrolle" über Manbidsch und über "umliegende Gebiete" übernommen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit und sprach von einem "organisierten Zusammenwirken mit der türkischen Seite".

Die von der YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben bisher ein großes Gebiet an der Grenze zur Türkei in Nordsyrien kontrolliert. Für die USA waren sie lange ein Partner im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Nach dem Abzug der US-Kräfte und dem Beginn der türkischen Offensive wandten sich die SDF hilfesuchend an Damaskus und Moskau, bezeichneten die Vereinbarung aber als "schmerzhaften Kompromiss".

Trotz der Forderungen nach einer Waffenruhe gingen die Kämpfe in der Region weiter. Nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) sind inzwischen mindestens 190.000 Menschen geflohen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen kündigte angesichts der "extrem instabilen Situation" an, alle internationalen Mitarbeiter aus der Region abzuziehen.