Immer mehr Todesopfer fordert der islamistische Terror in Afghanistan. Allein zwischen Juli und September verloren mehr als 1000 Zilivilsten in dem Konflikt zwischen der Regierung und den radikal-islamischen Taliban ihr Leben  um 42 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch Anhänger der Terrormiliz "Islamischer Staat" sorgen für blutige Gewaltakte.

Am Freitag schlugen die Islamisten erneut zu: Bei einem Anschlag in einer Moschee in der ostafghanischen Provinz Nangarhar sind mindestens 62 Menschen getötet worden. Das sagte der Sprecher des Provinzgouverneurs, Attaullah Khogiani, am Freitag.

Moschee völlig zerstört

Demnach stürzte aufgrund einer oder möglicherweise mehrerer Explosionen während des Freitagsgebets das Dach der Moschee im Bezirk Haska Mena ein. Was genau die Explosion oder Explosionen auslöste, sei weiter unklar. Das Gotteshaus ist lokalen Behördenvertretern zufolge völlig zerstört. Rund 250 Menschen hätten sich in der Moschee befunden.

Bisher bekannte sich niemand zu dem Anschlag. In der Provinz Nangarhar sind die militanten islamistischen Taliban sowie die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) aktiv. Der Bezirk Haska Mena wird lokalen Behördenvertretern zufolge großteils von der Regierung kontrolliert. IS-Kämpfer seien im Vorjahr aus der Gegend vertrieben worden, hätten aber weiterhin eine kleine Präsenz in dem Bezirk. Ein Sprecher der Taliban bestritt auf Twitter eine Beteiligung an dem Anschlag und verurteilte diesen.

Die Provinz Nangarhar verzeichnete laut UNO-Angaben in den vergangenen Monaten nach Kabul stets die zweitmeisten zivilen Opfer in Afghanistan. Erst vor rund zehn Tagen wurden bei einem Anschlag in der Provinzhauptstadt Jalalabad auf einen Bus mit Soldaten mindestens zehn Menschen getötet, darunter ein Kind.

Laut der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) fordert der Konflikt immer mehr zivile Opfer. Die Zahl der verwundeten und getöteten Zivilisten stieg im dritten Quartal um 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, hatte UNAMA am Donnerstag mitgeteilt. Mit fast 1.200 Getöteten und mehr als 3.100 Verletzten habe man die höchste Zahl ziviler Opfer innerhalb eines Quartals seit Beginn der systematischen Aufzeichnung durch die UN im Jahr 2009 dokumentiert.

Der starke Anstieg zwischen 1. Juli und 30. September sei vor allem auf mehr Opfer durch die Taliban zurückzuführen. Der Anstieg fiel zeitlich mit den fortschreitenden Gesprächen der USA mit den Taliban über eine politische Beilegung des langjährigen Konflikts zusammen. Experten zufolge wollten alle Konfliktseiten durch militärische Erfolge Druck am Verhandlungstisch aufbauen. Anfang September hatte US-Präsident Donald Trump die Gespräche dann kurz vor einer kolportierten Einigung überraschend abgebrochen. Auch die Präsidentschaftswahlen Ende September hatten die Gewalt in dem seit 1979 von Krieg gezeichneten Land weiter angeheizt (afp)