US-Präsident Donald Trump hat den Krieg in Nordsyrien, den er durch den Abzug der US-Truppen ermöglicht hat, zuletzt mit einem Gerangel unter Kindern verglichen: "Manchmal muss man sie ein bisschen kämpfen lassen", so der Republikaner bei einem Wahlkampfauftritt vor seinen Anhängern. "Und dann zieht man sie auseinander."

Die Rhetorik Trumps lässt unter anderem das Leid der Zivilbevölkerung außer Acht. Schließlich, so die Überlegung Trumps, sitzen seine Wähler eher in Memphis/USA und nicht im nordsyrischen Ras al-Ain.

Die jüngsten Entwicklungen im syrischen Dauerkonflikt treffen in der Tat vor allem Frauen, Kinder und Alte. Die Gefechte zwischen der türkischen Armee und kurdischen Einheiten, die durch eine Kampfpause unterbrochen, aber nicht beendet sind, finden in dicht bebautem Gebiet statt. Immer wieder werden Wohnhäuser von Granaten oder Bomben getroffen. Es dürfte in dem türkischen Feldzug schon mehr als 500 Tote, darunter über 70 zivile Opfer geben. Und es werden mehr.

Hunger, Elend und ein ausgeblutetes Land

Die 120-stündige Feuerpause, die zwischen der Türkei und den USA vereinbart worden war, ändert daran nichts. Denn auch am Freitag kam es zu Kämpfen zwischen türkischen Soldaten und kurdischen Milizen. Die türkische Luftwaffe flog weitere Angriffe, dabei sind mindestens sieben Zivilisten in dem Ort Bab al-Kheir östlich der Grenzstadt Ras al-Ain getötet worden. In Ras al-Ain war Gewehr- und Artilleriefeuer zu hören, aus der Stadt stiegen, wie in den Tagen davor, Rauchwolken auf.

Internationale Hilfsorganisationen schlagen Alarm. Bis zu 300.000 Menschen befinden sich dieser Tage auf der Flucht, unter den Fliehenden sind rund 70.000 Kinder. Sie werden beschossen und getötet, sind sexueller Gewalt, Hunger und Durst und Krankheiten schutzlos ausgeliefert. "Ärzte ohne Grenzen" hat alle Mitarbeiter aus der Region abgezogen. Hier verweist man darauf, dass die Sicherheit der Mitarbeiter nicht mehr gewährleistet werden könne. Angeblich wurde ein Krankenhaus durch Beschuss zumindest teilweise zerstört.

Während man sich in Europa vor allem vor einer Rückkehr der IS-Dschihadisten aus Syrien fürchtet, gehen die Vertriebenen einer ungewissen Zukunft entgegen. Sichere Korridore und Schutzzonen gibt es nicht, Zivilisten können jederzeit zwischen die Fronten geraten.

Amnesty International wirft der Türkei Kriegsverbrechen vor. Demnach liegen "erdrückende Beweise" für willkürliche Angriffe in Wohngebieten vor. Amnesty-Generalsekretär Kumi Naidoo bescheinigte der türkischen Armee und ihren syrischen Verbündeten eine "vollkommene Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben von Zivilisten". So gebe es Beweise für die "kaltblütige Erschießung einer prominenten syrisch-kurdischen Politikerin". Die Hilfsorganisation "SOS-Kinderdörfer" warnt vor einer neuen humanitären Katastrophe in einem Land, dass nach mehr als acht Jahren Krieg ausgeblutet ist.