Peking. In den Zeiten von "Fake News" ist die Latte wieder ein Stück nach oben gerutscht. Kein geringerer, als Peter Navarro, China-Berater von US-Donald Trump selbst, hat offenbar nach Gutdünken ökonomische Expertise erfunden. Konkret geht es um "Ron Vara", Wirtschaftsexperte mit einer punzierten Anti-China-Haltung. "Ron Vara" kommt in sechs Navarro-Sachbüchern zur Wort. Schönheitsfehler: seine Nicht-Existenz. "Ron Vara" ist eine rein fiktive Kopfgeburt von Navarro. Dafür aber jemand, der Öl ins Feuer des Handelskriegs zwischen den USA und China gießt. Ein Handelskrieg, unter dem auch die EU-Industrie leidet.

Peking zeigt sich entrüstet: Die Welt sei "schockiert", dass Trumps Berater Navarro einen Ökonomen einfach erfunden habe, erklärte das chinesische Außenministerium am Dienstag.

Vergangene Woche machte der "Chronicle of Higher Education" die Tatsache öffentlich, dass Navarro einen Charakter erfunden habe, und ihm Zitate in Sachbüchern zugeschrieben habe.

Der Bericht zitierte die emeritierte Professorin und Asien-Expertin Tessa Morris-Suzuki von der Australischen Nationalen Universität, die misstrauisch wurde: Varas Name schien immer wieder in den Büchern auf, aber niemand kannte diesen Mann.

Davon offenbar unbeeindruckt erklärte Navarro in einem Statement, dass "Vara" eine "skurrile Krücke und ein Pseudonym" sei, das er "über die Jahre hinweg für Meinungen" verwendet habe, aber auch "allein für das Entertainment, nicht als eine Quelle für Fakten".

Lügen als Basis für Außenpolitik "extrem gefährlich"

Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Hua Chunying, sah den Entertainment-Faktor nicht gegeben: "Lügen erfinden und verbreiten, und dann auch Politik aufgrund dieser Lügen machen, ist nicht nur lächerlich, sondern auch extrem gefährlich." Das würde nicht nur die internationalen Beziehungen bedrohen, sondern auch den Interessen der USA langfristig schaden.

Die USA und China stehen sich in einem Handelskrieg gegenüber. Navarro gilt als Hauptkritiker der chinesischen Importe (er produzierte sogar eine Doku namens "Death by China").

Washington und Peking haben einander bereits mit Strafzöllen im Wert von hunderten von Milliarden von Dollar überhäuft. (reuters/wak)