Moskau/Ankara/Berlin. Syrische Grenzpolizisten und russische Feldjäger bilden die Vorhut, gemeinsame türkische und russische Einheiten sollen folgen. Nachdem sich Russland und die Türkei auf die Errichtung einer Sicherheitszone in Nordsyrien verständigt hatten, rückten russische Militärpolizisten in das Gebiet vor. Gemeinsam mit den Syrern sollen sie dafür sorgen, dass sich keine Kämpfer der Kurdenmiliz YPG in einem 30 Kilometer breiten Grenzstreifen aufhalten. In wenigen Tagen wollen dann Russen und Türken einen zehn Kilometer langen Streifen patrouillieren.

Das ist Teil einer Vereinbarung, die der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan bei einem Treffen in Moskau am Dienstag getroffen haben. Die beiden stehen auf unterschiedlichen Seiten des Konflikts: So unterstützt der Kreml, im Gegensatz zu Ankara, den syrischen Machthaber Bashar al-Assad. Dennoch stimmen sich die Staaten in ihrem Vorgehen immer wieder untereinander ab.

Für die Türkei wäre vor allem der Abzug der kurdischen Kämpfer ein Erfolg. Russland drängte denn auch darauf - und drohte sogleich der YPG. Sollte die Miliz mit ihren Waffen nicht aus den Gebieten abrücken, würden sich zwar die syrischen Grenzwächter und die russische Militärpolizei zurückziehen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch der Agentur TASS zufolge. "Die verbleibenden kurdischen Formationen werden dann aber von der türkischen Armee in der Tat zermalmt." In dem Abkommen mit Ankara ist von einer Verlängerung der Waffenruhe die Rede: Die YPG erhält zusätzliche 150 Stunden Frist für den Abzug.

US-Präsident Donald Trump, der Anfang Oktober US-Soldaten aus Nordsyrien abrücken ließ und damit die Position Washingtons in Nahost schwächte, bezeichnete die jüngsten Entwicklungen als "großen Erfolg" seiner Politik. Auf Twitter schrieb er, die Kurden seien "sicher" und hätten "sehr nett mit uns zusammengearbeitet". Diese gehörten zu den wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen die Terrormiliz IS. Mittlerweile sind jedoch nach US-Angaben während der türkischen Großoffensive mehr als hundert IS-Mitglieder aus der Haft entkommen.

Gestärkt fühlt sich nun jedenfalls die Türkei, die heftige internationale Kritik für den Einmarsch in Nordsyrien einstecken musste. Außenminister Mevlüt Cavusoglu kommentierte: "Die Operation ‚Friedensquelle‘ wurde in nur fünf Tagen sowohl von den USA als auch von Russland als legitim akzeptiert." Aber auch der Kreml kann zufrieden sein, kann er doch seinen ohnehin schon großen Einfluss in Syrien weiter Richtung Norden und Osten ausdehnen - wo bisher amerikanische Einheiten präsent waren.

Deutsche Idee zu Schutzzone

Internationale Truppen, die dort stationiert werden könnten, spielen für Moskau und Ankara hingegen wohl keine Rolle. Solch eine Möglichkeit hat die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer ins Gespräch gebracht. Sie schlug vor, in Nordsyrien eine international überwachte Sicherheitszone aufzubauen. Vorsichtige Zustimmung dazu kam aus der Nato. Generalsekretär Jens Stoltenberg begrüßte den Vorschlag am Mittwoch zwar, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass eine solche politische Lösung alle beteiligten Parteien umfassen müsse.