Die Argentinier sind enttäuscht. Das vier Jahre dauernde Experiment konservativ und liberal hat aus ihrer Sicht nichts gebracht. Außer kumuliert rund 100 Milliarden Dollar Schulden und einem zusammengekürzten Sozialsystem.

Diesen Sonntag wird das südamerikanische Land wieder in die andere Richtung wählen - nämlich Links. So wie es Argentinien im Prinzip seit dem Ende der Militärdiktatur gemacht hat.

Nicht alle Argentinier werden am Sonntag ihr Kreuz aus tiefster Überzeugung für den Mitte-links-Kandidaten Alberto Fernández machen. Manche wählen ihn mit zusammengebissenen Zähnen, weil Fernández’ designierte Vizepräsidentin Cristina Kirchner für einige Argentinier nach zwei Legislaturperioden mittlerweile ein rotes Tuch ist. Viele Argentinier werden Fernández aus Desillusion wählen. Sie wollen vor allem verhindern, dass sein Konkurrent in dieser Stichwahl am Sonntag gewinnt. Den amtierenden Präsidenten Mauricio Macri wollen die wenigsten für eine zweite Amtsperiode verlängern.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Argentinien, das ist ein Land mit vielen langwierigen wirtschaftlichen Problemen, die sich im Kern immer um Auslandsverschuldung, Inflation und Kapitalflucht drehen. Die Inflation versuchte man von 1991 bis 2002 mit einem fixen Wechselkurs zu bremsen. Ohne Erfolg.

Der Kapitalflucht versuchte man immer wieder mit dem Begrenzen des Geldabhebens zu bekämpfen: Das half zwar kurzfristig, goss aber Öl ins Feuer. Das Misstrauen in die eigene Währung ist in Argentinien ein Teufelskreis: Gerne schaffen Argentinier ihr Geld, gewechselt in harte Dollars, ins Ausland. Das mindert die Devisen und wertet den Peso gegenüber anderen Währungen automatisch ab. Dafür werden Schulden oft in Fremdwährungen begeben. Mit der Abwertung des argentinischen Pesos wachsen die Schulden an. Die Bevölkerung wittert, dass die Konten bald dichtgemacht werden könnten - und schafft ihr Geld ins Ausland.

2001 erklärte Argentinien den Staatsbankrott: Man konnte die Auslandsschulden nicht mehr begleichen. Ab 2003 stabilisierte sich wenigstens die politische Situation. Néstor Kirchner wurde Präsident, ab 2007 übernahm seine Gattin, Cristina Kirchner für zwei Legislaturperioden, bis 2015, das Präsidentenamt. Die Lage war stabil, aber nicht optimal, der Zugang zu den Finanzmärkten blieb versperrt. Cristina Kirchner hatte es sich zudem gleich zu Amtsantritt mit dem Agrarsektor, der wirtschaftlichen Lebensader des Landes verscherzt, indem sie versucht hatte, die Zölle stark zu erhöhen. Das hatte 2008 zu einer massiven Krise geführt - über streikende Landwirte und daraus folgende Versorgungsengpässen bis hin zu Großdemonstrationen. Im Senat fiel das Gesetz dann durch. Der damalige Kabinettsminister von Kirchner trat zurück. Sein Name: Alberto Fernández. Er überwarf sich damals mit Kirchner.