Nach erneuten gewaltsamen Protesten in Hongkong haben mehrere chinesische Staatsmedien eine "härtere Linie" in der chinesischen Sonderverwaltungszone gefordert. Die Hongkonger Strafverfolgungsbehörden müssten "die Meute so schnell wie möglich zur Rechenschaft ziehen", schrieb die Staatszeitung "Global Times" am Montag.

Demonstranten hatten am Wochenende ein Büro der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua beschädigt, was diese als "barbarischen Akt" bezeichnete. Auch in anderen Teilen der Stadt kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen  - zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften sowie zwischen Demokratie- und Pro-China-Aktivisten. Laut Krankenhäusern der Stadt befinden sich drei Personen im kritischen Zustand.

Eine "härtere Linie zur Wiederherstellung der Ordnung" müsse die Antwort auf die "sich verstärkende Gewalt in Hongkong" sein, schrieb die englischsprachige Zeitung "China Daily". Sie warf "westlichen Medien" vor, "Nachsicht" mit der Protestbewegung in Hongkong zu üben. Demgegenüber versuchten die Demonstranten, jene "ruhigzustellen", die "den Scheinwerfer der Wahrheit" auf die Proteste werfen wollten. Die Protestbewegung sei jedoch "zum Scheitern verurteilt, weil das volle Gewicht des Gesetzes sie treffen wird".

Weder die "China Daily" noch die "Global Times" erwähnten die blutige Attacke eines bewaffneten Angreifers am Sonntag, bei dem mindestens fünf Menschen verletzt wurden. Laut Augenzeugen sprach der Angreifer Mandarin - die mehrheitlich in Festland-China gesprochene Sprache - und rief pro-chinesische Parolen, bevor er auf die Menschen losging. Dem Lokalpolitiker Andrew Chiu biss der Angreifer einen Teil des Ohrs ab.

KP in der Zwickmühle

Die chinesische Staatsführung befindet sich in einer Zwickmühle: Einerseits wäre es für sie unangenehm, wenn sie durch hartes Durchgreifen oder eine gewaltsame Niederschlagung der Proteste Hongkong noch mehr in den Mittelpunkt der internationalen Aufmerksamkeit rückt. Andererseits greifen die Hongkonger Demonstranten immer offensiver die Autorität der KP an.

Klar ist, dass die chinesischen Staatsmedien verbal nicht so scharf schießen würden, wenn es dafür nicht das Einverständnis der Staatsführung geben würde. Fraglich ist aber, ob durch diese Schlagzeilen noch einmal Stimmung in der eigenen Bevölkerung für ein bevorstehendes härteres Durchgreifen in Hongkong gemacht werden soll, oder ob diese Schlagzeilen mehr eine Warnung an die Hongkonger Demonstranten sein sollen.

Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit rund fünf Monaten von teils gewaltsamen Protesten erschüttert. Die Demonstrationen hatten sich anfänglich gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Auslieferungen von Verdächtigen an Festland-China ermöglichen sollte. Mittlerweile richten sie sich generell gegen die pekingtreue Führung in Hongkong und die Einschränkung demokratischer Freiheiten. (apa, klh)