Ein Jahr vor der US-Präsidentenwahl findet am heutigen Dienstag der erste große Stimmungstest für Donald Trump statt. Die Gouverneurswahl in der Republikanerhochburg Kentucky dürfte nämlich Aufschluss darüber geben, ob Trumps Wiederwahlchancen durch die Ukraine-Affäre gelitten haben. Möglich macht dies der äußerst unpopuläre republikanische Gouverneur Matt Bevin, dem überraschend die Abwahl droht

Der Staat Kentucky gilt nämlich als republikanisches Kernland. Die "Grand Old Party" kontrolliert im Geburtsstaat von Abraham Lincoln Regierung und beide Parlamentskammern, auch beide US-Senatoren sind Republikaner. Trump war es bei der Präsidentenwahl 2016 gelungen, die ohnehin schon starke konservative Wählerbasis in Kentucky um vom Strukturwandel betroffene Arbeiter und Bergleute zu erweitern. Mit 62,5 Prozent der Stimmen erzielte er in Kentucky sein landesweit fünftbestes Ergebnis.

Allerdings hat es sich Gouverneur Bevin mit seinen Landsleuten in den vergangenen Jahren gründlich verscherzt. Politisch massiv geschadet hat dem 52-Jährigen eine umstrittene Schulreform, mit der er die Lehrergewerkschaften gegen sich aufgebracht hat. Nicht wirklich besser machte er es, indem er am Höhepunkt der Auseinandersetzung streikende Lehrer dafür verantwortlich machte, dass ein - wegen des Streiks zuhause unbeaufsichtigter - Teenager versehentlich seine siebenjährige Schwester erschoss.

Tiraden gegen Lieblingsfeinde

Einer Umfrage zufolge lehnen 53 Prozent der Bürger Kentuckys die Amtsführung Bevins ab, was der zweitschlechteste Wert aller 50 Gouverneure der USA ist. Nachdem sein demokratischer Herausforderer Andy Beshear im Oktober in einer Umfrage des Instituts Mason-Dixon mit ihm gleichgezogen hat, versuchte Bevin verzweifelt, die "Trump-Karte" zu spielen.

"Die radikalen Liberalen in Washington wollen nur eines: Präsident Trump des Amtes entheben. Wählt am 5. November Matt Bevin, um ihnen eine Botschaft zu schicken", trommelte der Gouverneur in Facebook-Werbeanzeigen. Des Ernstes der Lage bewusst, kam am gestrigen Montag der Präsident höchstpersönlich nach Kentucky, um für Bevin zu werben. Gemeinsam mit dem Gouverneurskandidaten und den beiden republikanischen US-Senatoren Mitch McConnell und Rand Paul absolvierte Trump einen Wahlkampfauftritt in Lexington, bei dem er eineinhalb Stunden in bekannter Manier gegen seine Lieblingsfeinde, die Demokraten und die "Fake News"-Medien, vom Leder zog.

Die Bürger Kentuckys müssten Bevin wiederwählen, so Trump. Wenn sie dies nicht täten, würden die Politikbeobachter nämlich sofort sagen, "dass Trump die größte Niederlage der Weltgeschichte erlitten hat. Ihr könnt mir das nicht antun", appellierte der Präsident laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.

Karten in Mississippi neu gemischt

Genau beobachten wird das Rennen auch der republikanische Mehrheitsführer im Senat, McConnell, der sich so wie Trump kommendes Jahr der Wiederwahl stellt. Im Jahr 2014 hatte der langjährige Senator nach einem eher glanzlosen Wahlkampf mit 56 Prozent die Wiederwahl gegen die demokratische Herausforderin Alison Lundergan Grimes geschafft. McConnell hatte seinen Sieg eher der Unzufriedenheit mit dem im sechsten Amtsjahr stehenden demokratischen Präsidenten Barack Obama zu verdanken als eigenen Meriten, weswegen er den Beliebtheitswerten Trumps im Wahljahr wohl besonderes Augenmerk schenken wird.

Auch bei den oppositionellen Demokraten wird das Gouverneursrennen in Kentucky mit großem Interesse verfolgt, könnte doch ein Sieg Beshears dem moderaten Lager der Partei Auftrieb geben. Der aktuelle Justizminister von Kentucky und Sohn von Kentuckys Ex-Gouverneur Steve Beshear (2007-2015) hat es nämlich bisher vermieden, sich am Trump-Bashing zu beteiligen. In der Frage eines Amtsenthebungsverfahrens bezog der 41-Jährige keine Position, und in seinen Wahlkampfspots lässt er sogar Unterstützer des US-Präsidenten zu Wort kommen.

Gewählt wird am Dienstag auch in Mississippi und Virginia, doch haben die dortigen Urnengänge vergleichsweise geringere Symbolkraft. In Mississippi, wo Trump die Präsidentenwahl mit knapp 58 Prozent gewonnen hatte, werden die Karten neu gemischt, weil der republikanische Gouverneur Phil Bryant aufgrund einer Amtszeitbeschränkung nicht noch einmal antreten kann. Auch dort tritt für die Demokraten der Justizminister, Jim Hood, an, während die Republikaner den Vizegouverneur Tate Reeves ins Rennen schicken. Hood werden aber nur Außenseiterchancen gegeben.

In Virginia wäre hingegen alles andere als ein demokratischer Sieg eine Überraschung. Nachdem der Staat bei den letzten Präsidentenwahlen durchgehend demokratisch gewählt hat, will die Partei nun auch die Kontrolle über beide Kammern des Regionalparlaments übernehmen. (apa/Stefan Vospernik)