Die Ursachen für die endlosen Feuer und die von ihnen verursachten Schäden sind allseits bekannt. Da ist zum einen die durch den Klimawandel bedingte Trockenheit, die - obwohl die Dürre, die Kalifornien bis vor kurzem plagte, offiziell eigentlich vorbei ist - die von Bergen und Hügeln durchzogene Landschaft zwischen San Diego und der Grenze zu Oregon anfällig für jede Art von Funkenflug macht. Dann sind da die teilweise veralteten elektrischen Leitungen, die regelmäßig als Verursacher von Bränden identifiziert werden.

Vor allen anderen ins Visier genommen hat Gavin Newsom, der Gouverneur von Kalifornien, in diesem Zusammenhang den Konzern Pacific Gas and Electric (PG&E). Der an der New Yorker Börse notierte Energieversorger - mit mehr als 20.000 Angestellten und rund 4,5 Milliarden Dollar Jahresumsatz Kaliforniens größter - hat im Jänner seinen Bankrott erklärt. Der Grund: Milliardenklagen wegen der von seinen schadhaften Leitungen verursachten Brände im Jahr 2018 sowie die Ankündigung seines Präsidenten Bill Johnson, dass feuerbedingte Stromausfälle in Teilen Kaliforniens in den kommenden Jahren nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel bilden werden. Newsom will sich das nicht bieten lassen: "PG&E, so wie wir es kennen, kann und darf so nicht weiter existieren." Sollten die Verhandlungen zwischen Klägern, Konzern-Investoren und -Bossen erfolglos verlaufen, droht der 52-Jährige mit einer Art Teilverstaatlichung: "Wenn sich die Parteien nicht auf einen Transformationsprozess einigen können, werden wir nicht zögern, einzuschreiten und die Firma restrukturieren."

Trump gibt Demokraten
die Schuld

Manche Brände haben freilich banalere Ursachen als unzureichend isolierte oder kaputte Stromleitungen. In den vergangenen Jahren war es das eine Mal eine achtlos weggeworfene Zigarette, die einen Mega-Brand verursachte. Ein anderes Mal, in den zwischen LA und den Stränden Malibus gelegenen Santa Monica Mountains, ein von unter freiem Himmel kochenden Obdachlosen verursachtes Feuer. (Was aufgeweckte Kommentatoren als Ironie des Schicksals interpretierten, weil eines der Häuser, die damals den Flammen zum Opfer fielen, dem erzkonservativen Medienmogul Rupert Murdoch gehörte.)

Wen das alles nicht kümmert - die mittlerweile in die Hunderte gehenden verlorenen Menschenleben, die Milliardenverluste in Geschäft und Eigentum, die verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt, deren langfristige Folgen kaum absehbar sind -, ist wie immer der Präsident der Vereinigten Staaten. Donald Trump, der den Klimawandel bekanntermaßen für eine chinesische Erfindung hält und sein Land aus dem Pariser Klimaabkommen geführt hat, macht auf Twitter in regelmäßigen Abständen die Regierung des Bundesstaats für die Katastrophe verantwortlich. Der 72-jährige Ex-Reality-TV-Star folgt damit der ihm eigenen Logik, dass die Demokraten, die Kalifornien mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit regieren, für alles Böse auf der Welt verantwortlich sind. Die Republikaner im Kongress weiß er damit hinter sich; das, obwohl eigentlich der Bund für die überwältigende Mehrheit der kalifornischen Wälder verantwortlich ist.

Insofern könnte das Bild, das sich jetzt im Simi Valley vor LA zeigte, das amerikanische Dilemma kaum besser illustrieren. Dort war die Ronald Reagan Presidential Library von den Flammen bedroht worden. Das Gebäude, das einen Gutteil aller historischen Dokumente aus der achtjährigen Präsidentschaft Reagans (1981-1989) beherbergt, wurde erst in letzter Sekunde gerettet.