Der bolivianische Präsident Evo Morales hat angesichts von Massenprotesten seinen Rücktritt angekündigt. "Ich verzichte auf mein Präsidentenamt", sagte Morales am Sonntag im Fernsehen. Kurz zuvor hatte Morales noch Neuwahlen versprochen, die Armee- und Polizeiführung forderte ihn aber zum Rücktritt auf.

Berichte über eine Flucht des umstrittenen Staatschefs nach Argentinien wurden zunächst nicht bestätigt. Morales beugte sich mit seinem Schritt wochenlangen Protesten gegen die Präsidentenwahl vom 20. Oktober, bei der es nach Ansicht der Opposition zu Manipulationen zugunsten des Amtsinhabers gekommen sein soll.

Noch am Sonntag Neuwahlen angekündigt

Nach einem kritischen Bericht von internationalen Experten zum Urnengang kündigte Morales am Sonntag Neuwahlen an, doch konnte er die Situation damit nicht unter Kontrolle bringen. Armeechef Williams Kaliman rief den Präsidenten kurz darauf zum Rücktritt auf. Dies solle eine "Befriedung" des durch Massenproteste erschütterten Landes und den "Erhalt der Stabilität" ermöglichen, sagte er vor Journalisten. Zuvor hatten bereits Polizeieinheiten dem angeschlagenen Staatschef die Treue verweigert. Der nationale Polizeichef Vladimir Yuri Calderón forderte nun ebenfalls offen den Rücktritt von Morales.

Morales war seit 2006 an der Macht und war für eine vierte Amtszeit angetreten. Morales' Herausforderer bei der Wahl, Carlos Mesa, forderte am Sonntag den Rücktritt des Staatschefs, wenn dieser "noch einen Funken Patriotismus" habe. Auch einer der Anführer der Protestbewegung, Luis Fernando Camacho, forderte Morales' Rücktritt. Bürgerkomitees, die der Protestbewegung Auftrieb verliehen hatten, forderten, dass sowohl Morales als auch Mesa bei Neuwahlen nicht mehr antreten sollten. (apa)