Nach dem Rücktritt von Boliviens Präsident Evo Morales ist die Zukunft des lateinamerikanischen Landes ungewiss. In mehreren Städten des Landes kam es Medienberichten zufolge am Sonntagabend zu Ausschreitungen. Am stärksten betroffen waren die Hauptstadt La Paz sowie das benachbarte El Alto.

Während Gegner des ehemaligen Staats- und Regierungschefs in den Straßen feierten, legten Demonstranten Feuer und plünderten Geschäfte und Privathäuser. Einige Fernsehsender stellten wegen drohender Angriffe vorübergehend ihre Arbeit ein. Wer Boliviens Regierung übernehmen wird, war zunächst unklar.

UNO-Generalsekretär António Guterres sowie EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini forderten unterdessen alle Beteiligten zur Ruhe auf. Mogherini sagte, dass es der Wunsch der EU sei, dass alle Parteien das Land friedlich in Neuwahlen führen sollen, damit das Volk seinem demokratischen Willen Ausdruck verleihen könne.

Die Nahverkehrsbetriebe der Stadt La Paz teilten im Kurzbotschaftendienst Twitter mit, dutzende Demonstranten hätten Einrichtungen des Betriebs gestürmt und Busse angezündet. Medien zeigten Videos von brennenden Bussen. Waldo Albarracín, der Leiter eines Bürgerkomitees, das Morales zum Rücktritt aufgefordert hatte, teilte auf Twitter ein Video seines in Flammen stehenden Wohnhauses. Albarracín machte Mitglieder der Partei von Morales für die Brandstiftung verantwortlich. Auch die Fernsehmoderatorin Casimira Lema sagte, ihr Haus sei niedergebrannt worden. Der ehemalige Minister Juan Ramón Quintana berichtete im bolivianischen Fernsehen, sein Wohnhaus sei von Unbekannten geplündert worden.

Morales war am Sonntag nur drei Wochen nach seiner umstrittenen Wiederwahl zurückgetreten. Der Sozialist hatte sich nach der Abstimmung am 20. Oktober zum Sieger in der ersten Runde erklärt, obwohl die Opposition und internationale Beobachter erhebliche Zweifel anmeldeten. Seine Gegner warfen ihm Wahlbetrug vor. Seitdem kommt es bei Straßenprotesten fast täglich zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Lagern. Mindestens drei Menschen kamen bisher ums Leben.

Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatte in einem vorläufigen Bericht Manipulationen bei der Präsidentenwahl festgestellt und eine Annullierung empfohlen. Daraufhin hatte Morales zunächst eine Neuwahl angekündigt, am Ende aber dem wachsenden Druck von Militär und Polizei nachgegeben. Sein stärkster Gegenkandidat bei der Wahl, der Ex-Präsident Carlos Mesa, twitterte, der Rücktritt des Präsidenten bedeute ein "Ende der Tyrannei". Morales und seine Verbündeten in der Region sprachen dagegen von einem Putsch.