Zukunft geht in Rauch auf

Keno fordert einen neutralen Puffer, damit es nicht vielleicht nur wegen strapazierter Nerven in Quamishli wie 1961 am Checkpoint Charlie zu einem Showdown kommt. "Ich finde die Idee der deutschen Verteidigungsministerin interessant, europäische Truppen zu schicken, und es ist bedauerlich, dass es in der EU keine Resonanz darauf gibt", sagt Keno.

Die SDF habe schon vor Jahren vorgeschlagen, was der deutschen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vorschwebt. Eine von Europäern überwachte Pufferzone sei allemal einer gefährlichen Nähe von bis an die Zähne bewaffneten Türken, Syrern, Russen und Amerikanern entlang der Grenze vorzuziehen, meint Keno. Vielleicht trägt ja Saladin die Schuld an der verzweifelten Lage Rojavas.

An einem Tisch in einer Shishastube sinniert eine Gruppe Männer, unter ihnen Muslime und Jesiden, über ein drohendes Ende der Selbstverwaltung in Nordsyrien. Statt Ersparnisse zu horten wie andere in Quamishli, verqualmen sie ihr Geld in einer Shishastube. Die Zukunft Rojavas sehen sie ohnehin in Rauch aufgehen. Keiner glaubt, dass das syrische Regime weniger anstrebe als die völlige Kontrolle über Rojava. Und Russland als Garantiemacht sei so verlässlich wie die USA. "Die Russen lassen uns genauso fallen wie die USA, wenn die Türken ihnen etwas bieten", meint Bashar. Sein Freund, der Jeside Shirko Esa, ist überzeugt, dass der Westen den Kurden die Eroberung Jerusalems durch Saladin 1187 nicht verzeihen kann. Deshalb bestrafe er sie immer durch Verrat, meint er. Und dann zitiert er einen in diesen Tagen von vielen in Rojava geäußerten Satz: Die Kurden hätten auf der Welt nur einen verlässlichen Verbündeten: die Berge.